JudiT.H

JudiT.H (Juden im Tal. Hellenthal)

Wie bereits seit Jahren in den Nachbargemeinden geschehen, ergriffen 1988 im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 09. November 1938 Karl Reger und Margret Felser-Micken die Initiative, auch in Hellenthal der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

In Hellenthal, Kirschseiffen und Blumenthal hatte es eine große jüdische Gemeinde gegeben, die 1904 eine der größten und schönsten Synagogen der Eifel unter breiter Beteiligung der Ortsbevölkerung einweihen konnte. Über die Brandzerstörung der Synagoge in der Nacht zum 10. November 1938, den anschließenden „Prangermarsch“ der männlichen Juden der Gemeinde und die späteren Deportationen der jüdischen Mitbewohner wurde in der Gemeinde nicht gesprochen. (Gleichwohl wurden hinter vorgehaltener Hand die Namen örtlicher Mittäter genannt.)

Trotz Unverständnis, Häme und auch Widerständen aus Gemeinde, Politik und Verwaltung gelang es den Initiatoren K. Reger und M. Felser-Micken immerhin, dass auf dem jüdischen Friedhof in Blumenthal ein Gedenkstein für die Opfer errichtet wurde.

Ihre nachhaltigen Bemühungen führten schließlich 2005 zur Gründung des Arbeitskreises JudiT.H, dem sich bald weitere Mitglieder anschlossen. Gemeinsam wollte man daran erinnern, dass es nicht nur Opfer des NS-Regimes und einen jüdischen Friedhof gab, sondern dass es jahrhundertelang eine lebendige, kulturell bereichernde jüdische Gemeinde als selbstverständlicher Teil der christlichen Mehrheitsgesellschaft gab.

Nicht nur den Holocaust, sondern insbesondere dieses interkulturelle Zusammenleben wollte JudiT.H erforschen, dokumentieren und in der Erinnerung wachhalten. Entsprechend wurde als Zielsetzung formuliert:

  1. Die Erstellung einer Broschüre – daraus wurde das Buch von Walter Hanf: „Juden im Oberen Oleftal“

  2. Eine Dauerausstellung über das jüdische Leben in Hellenthal. Ergänzend zu einer Ursprungsausstellung von Siegfried Zieger existiert seit 2025 auf 21 Rollups diese Dokumentation

  3. Errichten einer Gedenktafel – jetzt Mahnmal in Blumenthal

  4. Der Beginn der Stolpersteinverlegung für die Opfer. Dies bereitet aber immer noch Schwierigkeiten, da wegen eines einschränkenden Ratsbeschlusses die Verlegung z.T. an der mangelnden Zustimmung der jetzigen Besitzer des ursprünglich jüdischen Eigentums scheitert.

Gerade die intensive Erforschung der Einzelschicksale, die für die Verlegung von Stolpersteinen erforderlich waren und sind, führte zu engen, ja oft sogar freundschaftlichen Beziehungen zu Opfern bzw. ihren Nachfahren. Die enorme Bedeutung und Wertschätzung der Erinnerungsarbeit für die Nachfahren wird von ihnen immer wieder betont.

Es entwickelten sich Kontakte zu vielen ähnlichen Initiativen, zuletzt 2025 zu einer Gruppe in Naarden/Nähe Amsterdam, die am 15.04.2026 für Rudolf Heumann aus Hellenthal, seiner Frau Regina Jacob sowie seinem Vater Samuel Heumann Stolpersteine verlegen ließen. – Für Samuel Heumann liegt seit 2013 auch in Hellenthal ein Stolperstein.

Neben der Verlegung von Stolpersteinen und der Pflege und Erweiterung der Kontakte gab es stets zwei feste Termine. Zum einen den „Weg der Erinnerung“, jeweils am oder um den 09.November und zum anderen eine Filmvorführung am Palmsonntag. Schon früh waren die Filmemacher Katharina und Dietrich Schubert Mitglieder von JudiT.H geworden. Ihre Dokumentarfilme über das Schicksal der Juden in der Westeifel, ihre Flucht im Grenzgebiet, das Leben der Eifeler in diesen Zeiten etc. sorgten mit dafür, dass das Thema in einer breiteren Öffentlichkeit präsent blieb. Ihre Arbeit wird auch für künftige Erinnerungsarbeit wertvoll und unverzichtbar bleiben.

Die ursprünglich aufgeführten Ziele sind weitestgehend erreicht. Auch zur Erweiterung des Gedenkspektrums auf andere Opfergruppen schlossen sich die Mitglieder von JudiT.H dem in Schleiden neu gegründeten Verein „erinnern.bedenken.handeln e.V.“ (ebh) an. Sowohl ebh als auch JudiT.H freuen sich darauf, künftig personell gestärkt das gemeinsame Ziel des Gedenkens an alle Opfergruppen des Nationalsozialismus zu verfolgen.

Als nächstes Ziel steht für den Raum Hellenthal die Revision des Ratsbeschlusses – Aufhebung der Beschränkung – und dann die Verlegung der Stolpersteine aus dem Kirchenasyl bzw. weiterer Stolpersteine auf der Tagesordnung.

Blumenthal, Juni 2026 Bernward Micken für den Arbeitskreis JudiT.H

erinnern.bedenken.handeln e. V.