14. Mai 2026
Ein Jahr nach seiner Gründung Ende Mai 2025 hat der neue Schleidener Gedenkverein‚ erinnern . bedenken . handeln e.V. (ebh) die Arbeit zur Umsetzung der Vereinsziele aufgenommen. Obwohl das erste Jahr von der Etablierung des Vereins und vom Tod des Geschäftsführers Wolfgang Pommer geprägt war, konnten bereits erste Vorhaben umgesetzt werden. Hier sei nur an die Veranstaltung am 7. März 2026 am Mahnmal vor dem Alten Rathaus in Schleiden erinnert. 81 Jahre nach der Befreiung des Stadtgebiets vom Nationalsozialismus konnte der Verein einen Stolperstein zur Erinnerung an den 1944 an der Kreuzung Holgenbach / Blumenthaler Straße von fanatischen Nationalsozialisten getöteten amerikanischen Kriegsgefangenen Quince Brown enthüllen. Stadt-Archivarin und Vereinsmitglied Nicole Gutmann ordnete das Geschehen historisch ein.
Am Wochenende 26./27. September veranstaltet ebh eine Gedenkstättenfahrt zu zwei Konzentrationslager-Gedenkstätten. Im Hunsrück besucht die Gruppe die Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers bzw. Konzentrationslagers Hinzert bei einer dreistündigen Führung. Danach geht die Fahrt weiter ins Elsass, wo am folgenden Tag die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Natzweiler besichtigt wird. Es handelte sich um das einzige Konzentrationslager auf französischem Boden. Dort wurden die Häftlinge, darunter viele vom französischen Widerstand, gezwungen, in einem Steinbruch spezielles Baumaterial für NS-Bauvorhaben zu brechen. Dutzende Außenlager dieses berüchtigten KZ verteilten sich über ganz Baden und Württemberg.
Im Oktober soll im JSG die große Ausstellung des Kreisarchivs Euskirchen zur Zwangsarbeit im Kreisgebiet präsentiert werden. Der Schwerpunkt soll dabei auf das Stadtgebiet Schleiden gelegt werden. Die Eröffnung ist für Freitag, 9. Oktober, 18 Uhr in der neuen Stadthalle geplant. Die Ausstellung selbst wird in dem großen Raum unterhalb der Stadtbibliothek aufgebaut. Im laufenden Jahr plant der Verein noch weitere Veranstaltungen. Zur Erinnerung an die Pogromnacht in Gemünd soll am 9. November 2026 dort wieder ein Gedenkgang zum Synagogendenkmal und zum jüdischen Friedhof stattfinden.
Der Verein ist aus dem Arbeitskreis hervorgegangen, der 2024 mit der Bürgerstiftung Schleiden zusammen das neue Mahnmal für die NS-Opfer im Stadtgebiet initiierte. Realisiert wurde ein vielgelobter Entwurf des Monschauer Schmieds Peter Henn. Diesem inzwischen im neuen Verein aufgegangenen Arbeitskreis erkannte der Stadtrat den mit 1.000 Euro dotierten dritten Ehrenamtspreis der Stadt Schleiden zu. Nach der Verleihung am 18.12.2025 im Rathaus Schleiden landete das Preisgeld in der Vereinskasse zur Finanzierung von Gedenk-Aktivitäten.
Die Bürgerstiftung Schleiden unterstützte die Bemühungen von ebh zum Aufbau einer Internet-Seite, die inzwischen freigeschaltet wurde. Im Verein haben sich Jendrik Balschun und Björn Pommer mit der Online-Präsenz des Vereins vertraut gemacht. Dieses ‚Team Internet‘ stellt dort und in den social Media aktuelle Informationen über das Vereinsgeschehen online. Außerdem kann man über die Internet-Seite Kontakt zum Verein aufnehmen.
6. April 2026
Die im vergangenen Herbst begonnene Wiederherstellung der Stützmauer am Schleidener Judenfriedhof ist inzwischen beendet. Damit kann der Friedhof als letzte authentische Erinnerung im Ort an die Geschichte der Schleidener Juden wieder betreten werden. Die Mauer war bei der Flutnacht 2021 so beschädigt worden, dass Einsturzgefahr bestand. Daraufhin wurde der Friedhof gesperrt, auch Pflegearbeiten waren nicht mehr möglich. In der Folge wucherten Gras und Sträucher.
Im vergangenen Jahr beauftragte der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein als Eigentümer ein Unternehmen mit der aufwändigen Wiederherstellung der Terrassierungsmauer zum Nachbargrundstück. Auf die Mauer wurde ein neuer Zaun aufgesetzt. Inzwischen sind die Arbeiten beendet, die Baustelle wurde geräumt und das Gelände gepflegt. Der Friedhof besteht hinter dem Tor aus einem Weg, seitlich zum Ruppenberg hin steigt das Gelände steil bis zur Begrenzungshecke an. An diesem Hang stehen nur noch wenige Grabsteine, die Beschriftung ist teilweise nicht mehr lesbar. Auch dort erfolgte ein Pflegeschnitt, so dass auch der 1988 aufgestellte Gedenkstein mit den Namen von 13 Schleidener Holocaust-Opfern vom Bewuchs befreit und wieder sichtbar wurde. (fa)
Den mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotierten dritten Platz beim Heimat-Preis NRW der Stadt Schleiden 2025 erhielt der ehemalige Arbeitskreis Gedenken, der inzwischen im gemeinnützigen Verein erinnern. bedenken. handeln aufgegangen ist. Heike Schumacher, Martina Hilger-Mommer, Klaus Ranglack und Franz-Albert Heinen nahmen in der letzten Ratssitzung des Jahres am 18. Dezember 2025 für den Arbeitskreis die Urkunde und den Preis entgegen. Diesmal hatte es echte Konkurrenz gegeben: Aus sechs Bewerbungen wählte die Auswahlkommission die drei Preisträger aus. Den ersten Preis und 2.500 Euro erhielt der Bürgerverein Oberhausen Eifel e.V. Den 2. Platz (1.500 Euro) sprach die Jury der Initiative „Spielenachmittag Schöneseiffen/Harperscheid“ zu.
Dem ehrenamtlichen Engagement des Arbeitskreises Gedenken, das die Bürgerstiftung Schleiden finanziell unterstützte, ist es zu verdanken, dass am „Alten Rathaus“ in Schleiden ein Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus im Stadtgebiet Schleiden errichtet wurde. In der Begründung der Stadt hieß es: „Der Arbeitskreis konnte weitere finanzielle Mittel akquirieren und leistete die erforderliche heimatgeschichtliche Forschungsarbeit, die Textgestaltung am Mahnmal, die Erstellung eines Informationsheftes, die Organisation eines Künstler-Wettbewerbs für die Gestaltung und begleitete das Projekt bis zur Fertigstellung im Rahmen einer Einweihungsfeier.“ Aus dem Arbeitskreis ging sodann die Initiative zur Gründung des Vereins „erinnern. bedenken. handeln“ hervor, der mit Mitteln des Heimatpreises weitere Projekte umsetzen wird, die der Erinnerungskultur im Stadtgebiet Schleiden insbesondere unter Einbindung von Jugendlichen dienen soll: „Lokale Identität und Heimatbewusstsein werden somit im besonderen Kontext zur Geschichte gefördert.“[1]
[1] Vgl. Stadt Schleiden, Ratsvorlage WP 12/2025/019.
In Schleiden wurde zur Erinnerung an den US-amerikanischen Piloten Major Quince Lucien Brown jr. ein Stolperstein an der Stelle seines Todes verlegt. Die feierliche Enthüllung fand im Beisein von rund 60 Teilnehmenden im Umfeld des Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus statt und wurde bewusst in zeitlicher Nähe zum Jahrestag der Befreiung Schleidens am 7. März 1945 terminiert.
Der 26-jährige, hochdekorierte Pilot war am 6. September 1944 über dem Gebiet Vogelsang mit seiner P-47 „Thunderbolt“ von deutscher Flugabwehr getroffen worden. Nach dem Fallschirm-Absprung landete er verletzt in der Nähe von Scheuren und geriet, nachdem er sich ohne Widerstand ergeben hatte, in deutsche Kriegsgefangenschaft. Damit unterstand er dem Schutz des Völkerrechts, insbesondere der Genfer Konvention.
Beim Fußweg mit zwei Wachsoldaten zu einer ärztlichen Versorgung in Schleiden kam es jedoch zu einer Eskalation. An der Einmündung ‚Holgenbach‘ in die damalige ‚Bahnhofstraße‘ wurden der Gefangene und die beiden Begleiter von einer Zusammenrottung von Soldaten aufgehalten und alsbald durch einen zufällig vorbeikommenden NS-Funktionär attackiert und letztlich durch zwei Schüsse getötet.
Zeitgenössische Darstellungen und spätere Einordnungen bewerten die Tat eindeutig als Lynchmord und damit als schweres Kriegsverbrechen.
Die juristische Aufarbeitung erfolgte erst Jahre später.
In einem Verfahren vor dem Landgericht Aachen im Jahr 1953 wurde der Haupttäter wegen Totschlags zu einer außerordentlich geringen Haftstrafe verurteilt, während ein weiterer Beschuldigter mangels Beweisen freigesprochen wurde.
Ziel des Gedenkens ist nicht die Würdigung eines Soldaten im militärischen Kontext, sondern die Erinnerung an ein Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Der Stolperstein fungiert dabei als Mahnmal für die Bedeutung völkerrechtlicher Normen, die als grundlegender Schutzmechanismus zwischen Zivilisation und Barbarei verstanden werden.
Die verheerende Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 richtete im Raum Schleiden schwere Schäden an. Davon betroffen war auch die Stützmauer, die den jüdischen Friedhof von dem darunterliegenden bebauten Grundstück trennt. Die Wassermassen beschädigten die Mauer derart, dass Einsturzgefahr bestand. Daher musste der Friedhof vorübergehend gesperrt werden und ist seitdem (Stand: Dezember 2025) nicht zugänglich.
Der Friedhof, ebenso wie der in Gemünd, gehört dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein in Düsseldorf. Auf Anfrage berichtete die Geschäftsführerin des Landesverbands, Dr. Inna Goudz, dass die Sanierungsarbeiten seit Herbst im Gange sind. Der Fortschritt der Arbeiten ist zufriedenstellend, die Fertigstellung werde voraussichtlich im kommenden Frühjahr erfolgen.
Nach Abschluss der Sanierung übernimmt die Stadt wieder die Pflege des Friedhofs. Aufgrund der jahrelangen nicht möglichen Pflege sind umfangreiche Arbeiten notwendig, da einige Grabsteine stark zugewachsen sind. Das gilt auch für die 1992 aufgestellte Namenstafel.
erinnern.bedenken.handeln e. V.
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