Der ebh e.V. dankt Dr. Michael Thalken für die Erlaubnis der Mitnutzung seines Berichts und der Bilder.
F. A. Heinen referierte am 15.10.2026 über die Zwangsarbeit im Altkreis Schleiden in den Jahren 1939 bis 1945 – Das zweitgrößte Verbrechen des Nationalsozialismus wurde lange Zeit verschwiegen
Es gehört heute mit zu den Gemeinplätzen, darauf hinzuweisen, dass die Zeitzeugen des Dritten Reichs langsam aussterben und damit ein Erinnern an den Nationalsozialismus und seine Verbrechen immer schwieriger wird. Das mag für die Opfer und ihre Geschichten zum Teil zutreffen, weniger aber für die Täter und die Zeitgenossen, deren Erinnerung nicht selten von der eigenen Verdrängungsleistung korrumpiert wurde und zu einer erzählten Geschichte mit minimalem Wahrheitsgehalt Zuflucht fand. Wie schwerwiegend eine solche „Sprachreglung“ der Zeitzeugen sein kann, erlebte der Journalist und Buchautor Franz Albert Heinen, als er 2013 begann, zum Thema Zwangsarbeit im Schleidener Tal zu recherchieren.
Damals konnte er noch auf 32 Menschen zurückgreifen, die ihm bereitwillig Auskunft zu geben versprachen. Nur merkwürdigerweise erzählten alle dasselbe, nämlich erstens: „Unser Pole hatte es gut.“ Zweitens: „Das war im ganzen Dorf so.“ Und drittens: „Unser Pole durfte sogar bei uns am Tisch mit zu Mittag essen, obwohl das verboten war.“
Damit hätte Heinen das Thema „Zwangsarbeit“ im Schleidener Tal bereits im ersten Jahr seiner Nachforschungen ad acta legen können. Doch da sich der gebürtige Schleidener auch in seiner Zeit als Journalist noch nie auf das Hörensagen verlassen hat, sondern lieber auf seine eigenen Recherchen, begann er im Dreck zu wühlen. Und das ist hier keinesfalls metaphorisch gemeint. Fünf Jahre lang durchstöberte er alle möglichen Archive, kroch auf Dachböden herum, sichtete Dokumente und Fotografien, so wie er es schon bei seiner Arbeit über die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang getan hatte.
Bereits 2006 hatte Heinen das Archiv der belgischen Kommandantur von Vogelsang, für das es keine Verwendung mehr gab, kurzerhand ins Schleidener Stadtarchiv überführen lassen und schon nach kurzer Recherche in den Dokumenten entdeckt, dass es eine direkte Verbindung der dort in der Nazizeit ausgebildeten Ordensjunker mit dem Holocaust gab. Eine Wahrheit, die ebenfalls bis dato gern mit anderen Zeitzeugengeschichten über Vogelsang zugekleistert wurde. Nebenbei hatte Heinen damit den Grundstein für den heutigen Lernort Vogelsang gelegt.
Die Zwangsarbeit gilt heute neben dem Holocaust als das zweitgrößte Verbrechen des Nationalsozialismus. Und dennoch gelang es im Altkreis Schleiden, und natürlich nicht nur dort, die Spuren dieses Verbrechens fast vollständig zu verwischen. Dass es letztlich der Privatinitiative eines Schleidener Journalisten zu verdanken ist, wieder ans Licht zu holen, was längst im Verborgenen schlummerte, zeigt, dass es durchaus einem einzelnen Menschen gelingen kann, das kollektive Gedächtnis zu korrigieren und zu widerlegen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Erinnerungsarbeit, wobei die Betonung auf Arbeit liegt. In ihr kann selbst noch ein Nachgeborener – Heinen wurde erst 1953 geboren – wieder zum Zeitzeugen werden.
Menschen zweiter Klasse
In seinem Vortrag in der Schleidener Stadtbibliothek im Rahmen der Ausstellung „Zwangsarbeit im Stadtgebiet Schleiden“ am vergangenen Donnerstag, erinnerte der Autor an den Beginn der Zwangsarbeit kurz nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen im Herbst 1939. „Begründet wurde der Arbeitseinsatz von Ausländern im Reichsgebiet durch eine scheinbar zwingende Logik des Krieges: Deutsche Arbeiter fanden sich zunehmend zur Wehrmacht einberufen, und die dadurch entstehenden Lücken auf dem Arbeitsmarkt sollten Ausländer auffüllen, um den Zusammenbruch der Kriegswirtschaft zu verhindern“, berichtete er. Als sich dann 1941 die Hoffnungen auf einen Blitzsieg im Osten zerschlagen hätten, habe sich die Situation durch die massenhafte Einberufung von deutschen Männern noch verschärft. „Während die Ökonomen die Beschäftigung von Ausländern forderten, warnten Ideologen wie Heinrich Himmler vor dem Einsatz von Bolschewisten im Deutschen Reich“, so Heinen. Letztlich sei es zu einem Kompromiss gekommen. Auch sowjetische Kriegsgefangene sollten neben Zivilisten aus besetzten Ländern in Deutschland arbeiten, aber nur unter strenger Kontrolle von Polizei und SS.
Heinen berichtete in seinem Vortrag sehr anschaulich, wie Jugendliche, Frauen und Männer zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und dort zu Menschen zweiter Klasse degradiert wurden. Im Schleidener Tal seien ungefähr Zweidrittel der Verschleppten Zivilarbeiter und ein Drittel Kriegsgefangene gewesen. „Für Polen und Sowjetbürger galt ein diffamierendes soziales Sonderrecht“, berichtete er. In der Praxis habe es sich bei der Zwangsarbeit um „Sklavenarbeit für Taschengeld“ gehandelt. Es habe drakonische Bestrafungen für die kleinsten Vergehen gegeben. Sowjetische Kriegsgefangene seien als „politisch brandgefährlich“ eingestuft und daher nur isoliert unter Aufsicht der Wehrmacht in Kolonnenarbeit eingesetzt worden, um jeden Kontakt mit der deutschen Bevölkerung zu vermeiden. „Alles, was mit diesen Männern geschah, ist der Wehrmacht anzulasten“, stellte Heinen klar. Es habe zahlreiche Todesopfer durch Hunger, Erschießen und Erhängen gegeben.
Namentlich bekannt seien für das Stadtgebiet Schleiden 673 Ausländer, da sie bei der AOK oder der Landwirtschaftlichen Krankenkasse versichert werden mussten, berichtete Heinen. Man habe zwar nicht vorgehabt, ihnen im Krankheitsfall zu helfen, doch mussten die Arbeitgeber dennoch für sie Krankenkassenbeiträge entrichten, um damit die gebeutelten Kassen zu unterstützen. 52 Prozent der Ausländer waren Frauen, so Heinen, die oft als Haushaltshilfe eingesetzt wurden. Und 297 der verschleppten Personen waren gerade einmal 15 bis 19 Jahre alt. 431 Personen kamen aus der Sowjetunion und 121 aus Polen.
„Arbeitsbummelantentum“
„Verbote bestimmten das Leben der polnischen und sowjetischen Arbeiter, Prügel als Strafe war alltäglich“, berichtete der Referent. Gaststättenbesuche seien verboten gewesen, Gottesdienste mit Deutschen untersagt, selbst zum Fahrradfahren benötigte man eine Sondererlaubnis. Sogenanntes „Arbeitsbummelantentum“ wurde streng bestraft, in der Regel mit der Einlieferung in ein Arbeitserziehungslager oder direkt in ein Konzentrationslager. Als folgenschwerstes Vergehen galt jedoch eine Beziehung zwischen einer deutschen Frau und einem polnischen oder sowjetischen Arbeiter.
Zwar hatte Heinen auch Beispiele aus der Landwirtschaft recherchiert, die die Behauptung „Unser Pole hatte es gut“ zu bekräftigen schienen, doch in den meisten Fällen, so betonte er, hätten die Sonderregelungen die Arbeit der Zwangsarbeiter zur Qual gemacht. Heinen las aus Dokumenten vor, die körperliche Züchtigungen für die kleinsten Vergehen vorsahen. So sollten beispielsweise Polen, die sich über die Arbeit beschwerten, unverzüglich verprügelt werden. Der Referent stellte in diesem Zusammenhang einzelne Fälle vor, nannte immer wieder Namen von Kriegsgefangenen, zeigte deren Gesichter und erläuterte deren persönliches Schicksal, das meistens nach kleinstem Fehlverhalten mit Erschießen, Erhängen oder in irgendeinem KZ mit der erfundenen Todesursache „Lungentuberkulose“ oder „Herzschwäche“ endete. „Am 1. November 1944 wurde an der Bronsfelder Straße, hundert Meter von meinem Haus entfernt, ein junger Osteuropäer erschossen“, berichtete Heinen, der zu seinem Erschrecken auch dieses Verbrechen in den Akten gefunden hatte.
Doch schlimmer als den Zivilarbeitern sei es den sowjetischen Kriegsgefangenen ergangen. Ihr Leben sei den deutschen Faschisten nicht das Geringste wert gewesen. „Rotarmisten wurden zu Hunderttausenden auf Wiesen zusammengepfercht, und man schaute dann zu, wie sie verhungerten“, so Heinen, der dies ein „fürchterliches Verbrechen“ nannte. Die Überlebenden wurde in offene Viehwaggons wochenlang bis nach Deutschland gekarrt, kamen in sogenannte Mannschaftsstammlager, die oft nur aus einer leeren, von Stacheldraht eingezäunten Fläche bestanden, und in denen die Gefangenen versuchten, Erdhöhlen in den Boden zu scharren, Laubhütten zu errichten oder Regenwürmer aus dem Boden zu ziehen, um damit ihren Hunger zu stillen. Damit sie nicht fliehen konnten, mussten die Gefangenen Holzpantinen tragen. Viele dieser kranken und halbtoten Menschen wurden schließlich auch zur Waldarbeit in die Eifel entsandt, wo die Menschen bereits acht Jahre lang der NS-Ideologie und einem regimeimmanenten Rassismus ausgesetzt gewesen waren. Heinen hat allein im Altkreis Schleiden 60 Lager aktenkundig nachgewiesen, in denen die Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten. Er vermute aber, dass es doppelt so viele gewesen sein müssten.
„Noch nie gehört“
Einer der älteren Zuhörer war über diese Aussage sichtlich erschüttert und sagte: „Davon habe er noch nie etwas gehört“, woraufhin Heinen nur lakonisch antwortete: „Da sehen Sie mal, wie gut dieses Geheimnis bis auf den heutigen Tag bewahrt wird.“ Besonders aufhorchen ließ auch die Tatsache, dass die Mortalitätsrate in diesen Eifel-Lagern deutlich höher lag als beispielsweise im KZ Buchenwald. Bis zum Kriegsende hat der Autor bislang weit über 330 Todesfälle dokumentiert. Er zählte auch auf, wo sich einige dieser Lager befanden. „Sie waren, wenn man von den Waldarbeiterlagern absieht, keinesfalls versteckt, sondern befanden sich zum Teil mitten im Ort, so dass jeder sehen konnte, was dort passierte“, sagte er. So habe es beispielsweise auch ein Lager nur 20 Meter vom heutigen Kurhaus in Gemünd entfernt in einer alten Turnhalle gegeben.
„Das Leben der Kriegsgefangenen war nur so viel wert wie ihre Arbeitskraft“, konstatierte Heinen und verwies darauf, wie die „Erinnerungskultur“ nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hatte, die primär darin bestanden habe, die Spuren der Zwangsarbeit aus der Gegenwart zu verwischen und das Thema erfolgreich kleinzureden.
„Das Thema ist noch lange nicht abgeschlossen“, betonte Heinen abschließend. Neuere Erkenntnisse deuteten beispielsweise daraufhin, dass gegen Kriegsende zahlreiche Ukrainerinnen zur Zwangsarbeit in den Altkreis verbracht worden seien, über die er aber bislang noch keine gesicherten Dokumente gefunden habe.
Erstaunt war Heinen über den großen Zuspruch, den sein Vortrag fand. Etwa 40 Menschen kamen in die Stadtbibliothek Schleiden, so dass noch zusätzliche Stühle herangeschafft werden mussten. Wer den Vortrag verpasst hat oder mehr über die Zwangsarbeit im Kreis Schleiden wissen möchte, der sei auf Heinens von der Kreissparkasse Euskirchen gefördertes Buch: „Abgang durch Tod“ verwiesen, das beim Geschichtsforum Schleiden erhältlich ist.
Eifeler Presse Agentur/epa
Es waren deutlich mehr Zuhörer zum Vortrag über Zwangsarbeit im Kreis Schleiden gekommen, als der Journalist und Buchautor Franz Albert Heinen (links) erwartet hatte.
Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
F.A. Heinen ist der profilierteste Kenner der nationalsozialistischen Geschichte im früheren Kreis Schleiden.
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Dieses Bild dokumentiert, wie hungerleidende sowjetische Kriegsgefangene in einem Mannschaftsstammlager nach Regenwürmern suchen.
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Am Ende durften die Zuhörer auch Fragen stellen.
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Vier Wochen lang ist die Ausstellung des Kreisarchivs Euskirchen zur Zwangsarbeit in der Region in der Stadtbibliothek Schleiden zu besichtigen. Aus den mehr als 80 Roll-ups der Ausstellung wurden rund 40 ausgewählt, die sich mit dem Geschehen im Schleidener Land befassen. Die Ausstellung wurde erstmals 2022 durch Landtagspräsident André Kuper in Vogelsang IP gezeigt. Seither wurde sie in nahezu allen Kommunen vorgestellt. In Schleiden ergab sich jetzt mit der Fertigstellung der Aula und dem Wiederaufbau des Johannes-Sturmius-Gymnasiums erstmals die Möglichkeit einer Präsentation in der Stadt. Der örtliche Gedenkverein „erinnern-bedenken-handeln e.V“ initiierte die Ausstellung im Mehrzweckraum der Bibliothek in einer Kooperation mit dem Kreisarchiv Euskirchen, Vogelsang IP, der Stadtbibliothek und der Bürgerstiftung Schleiden.
„Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft fand nicht nur an weit entfernten Orten statt“, unterstrich die stellvertretende Landrätin Annegret Lewak in ihrem Grußwort. Sie sei auch im Schleidener Gebiet allgegenwärtig gewesen. Ihre eigene 82-jährige Mutter habe bei einem Gespräch über diese Ausstellung zum ersten Mal berichtet, dass ihre Familie in der kleinen Landwirtschaft außerhalb des Kreisgebiets Zwangsarbeiter beschäftigt habe. Die Zwangsarbeit gehöre auch im Stadtgebiet Schleiden als besonders dunkles Kapitel zur Ortsgeschichte.
Bürgermeister Ingo Pfennings stellte die Dimension der Zwangsarbeit heraus: 13 Millionen Ausländer seien damals zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden.
Eine relativ neue erforschte Säule der Schleidener Ausstellung stellte Kreisarchivarin Heike Pütz vor, die diesen Aspekt auch selbst erforscht hat. Dabei ging es um deutsche Frauen, die angebliche oder tatsächliche Beziehungen zu polnischen Zwangsarbeitern hatten. Ausgehend vom den gut dokumentierten Beispiel der in Eichen bei Ingersberg wohnenden Veronika Höger, in deren Familie ein polnischer Zwangsarbeiter anständig und menschlich behandelt wurde, schildert dieses Kapitel der Ausstellung das Schicksal der beteiligten Frauen. Veronika Höger wurde offenbar denunziert und geriet in die Fänge der Geheimen Staatspolizei. Sie kam nach Misshandlungen in der Haft in das Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie zugrunde ging.
Heike Pütz präsentiert mit diesem Ausstellungsteil mehrere konkrete Beispiele in diesem Kontext. Die Kreisarchivarin zitierte eine angeblich auf den ehemaligen Kölner Landgerichtspräsidenten Walter Müller zurückgehende drastische Angabe zu den Folgen von Beziehungen zwischen deutschen Frauen und polnischen Männern: „Butterbrot: ein Jahr Gefängnis; Kuss: zwei Jahre Gefängnis; Geschlechtsverkehr: Kopf ab.“
Franz-Albert Heinen schilderte nachher anhand drastischer Beispiele eindringlich das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener, die im Herbst 1941 in der Region in hoher Anzahl bereits völlig entkräftet eintrafen und hier bald an den Hungerfolgen verstarben. 230 Opfer aus dieser Gruppe waren mindestens für den Kreis Schleiden zu verzeichnen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 6. November 2026 in der Stadtbibliothek in Schleiden zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen: Montag: 10–14 Uhr, Dienstag & Donnerstag: 14–18 Uhr und Freitag: 14–17 Uhr.
Am letzten September Wochenende begab sich der Gedenkverein erinnern.bedenken.handeln e.V. auf eine Fahrt zu den Gedenkstätten SS-Soderlager/KZ Hinzert und KZ Natzweiler-Struthof. Zwei Tage lang setzten wir uns mit der Geschichte der Lager und der Frage auseinander, wie Erinnerung heute gestaltet und vermittelt werden kann. Am Samstagmorgen trafen wir uns am evangelischen Gemeindehaus in Schleiden, um Fahrgemeinschaften zu bilden. Gegen 7 Uhr ging es in Richtung Hunsrück – mit vielen Fragen und dem Interesse, sowohl die Geschichte des Lagers als auch die heutige Gedenk- und Erinnerungsarbeit vor Ort kennenzulernen.
In Hinzert erwartete uns Dr. Alexander Quack, der sich eigens außerhalb der Öffnungszeiten Zeit für die Gruppe nahm. Schon beim Anblick des stählernen Dokumentations- und Begegnungshauses fiel dessen markante Architektur auf. Dr. Quack erläuterte, dass das Gebüde bewusst so gestaltet wurde, dass es in der stillen, naturnahen Umgebung Aufmerksamkeit auf die grausame Geschichte des Ortes lenkt. Wo einst Baracken standen, erstreckt sich heute eine grüne Weide, auf der Kühe grasen. Die friedliche Landschaft lässt die Verbrechen, die sich hier ereigneten, kaum erahnen. Dank der Förderung des Landes Rheinland-Pfalz konnte Dr. Quack die Besischtigung für unsere Gruppe kostenfrei anbieten.
Mit präzisen Erläuterungen, Quellen und Aussagen von Zeitzeugen brachte er uns die Geschichte des Lagers nahe und weckete den Wunsch, sich weiter mit ihr auseinanderzusetzen. Das Lager wurde 1938 zunächst als Barackenlager der Deutschen Arbeitsfront für Arbeiter am Westwall eingerichtet, die dort „disziplinarische Maßnahmen“ unterworfen werden sollten. Im Juli 1940 erhielt Hinzert den Status eines KZ-Hauptlagers. Ab Mai 1942 wurden vermutlich mehr als 2.000 sogenannte Nacht-Nebel-Gefangene aus Frankreich und den Benelux-Staaten nach Hinzert gebracht. Insgesamt durchliefen bis zur Räumung des Lagers 1945 rund 14.000 männliche Häftlinge im Alter von 13 bis 80 Jahren das Lager.
Ein wichtiger Teil der Besichtigung galt auch der Rolle der Zivilbevölkerug im Nationalsozialismus. Die Geschichte eines Tatortes ließe sich nicht losgelöst von der Gesellschaft erzählen, in der Verfolgung und Gewalt möglich wurden – wie Dr. Quack betonte. Dazu gehöre, nicht nur auf die Opfer und die Täter zu blicken, sondern auch auf Menschen, die proftierten, zusahen oder wegschauten; und auf die Bedingungen und Beweggründe, die solches Verhalten ermöglichten. Diese Perspektive machte die Auseinandersetzung mit Hinzert besonders eindringlich.
Der Besuch zeitgte zugleich, wie wichtig die Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte ist. Hinzert ist ein bedeutender, aber vielen Menschen wenig bekannter Erinnerungsort. Wer sich für die Geschichte des Nationalsozialismus interessiert, findet hier die Gelegenheit, sich intensiv mit einem oft unterschätzten Kapitel unserer Geschichte auseinanderzusetzen.
Nach dem eindrucksvollen Besuch führte unsere Fahrt weiter gen. Süden. Nach rund 200 Kilometern erreichten wir Obernai, ein reizvolles Städchen im Elsass, dessen Architektur und Restaurants zum Verweilen einladen. Nach dem Bezug des Hotels in der Innenstadt bot das gemeinsame Abendessen Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und die Eindrücke des Tages miteinander zu teilen. Am nächsten Morgen, gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück, machten wir uns auf den Weg zur Gedenkstätte Natzweiler-Struthof.
Die Fahrt führte durch die hügelige Landschaft des Elsass, die manche von uns an die vertraute Heimat erinnerte. Gerade dieser Kontrast beschäftigte uns: Die Umgebung wirkte friedlich und vertraut, doch am Ziel erwartete uns ein Ort, an dem Menschen durch Zwangsarbeit, Mangelernährung, Gewalt, Kälte und medizinische Experimente gequält und ermordet wurden. Schon die topografische Lage ließ einige von uns an die nahe Schleiden gelegene NS-Ordensburg Vogelsang denken. Der Vergleich machte zugleich den grundlegenden Unterschied deutlich; Vogelsang war ein Ort der Ausbildung und Selbstinzinierung nationalsozialistischer Täter; Natzweiler-Struthof ist ein Tatort, an dem die Folgen des NS-Terrors sichtbar werden.
Mit Audio-Guides erkundeten wir das Gelände individuell. Erhaltene Baracken und weitere bauliche Spuren vermittelten einen beklemmenden Eindruck vom Lageralltag. Dabei steht Natzweiler-Struthof nicht für sich allein: Zum Lagerkomplex gehörten rund 50 Außenlager beiderseits des Rheins. Insgesamt wurden mehr als 50.000 Menschen aus etwa 30 europäischen Ländern in das Hauptlager oder eines seiner Außenkommandos verschleppt; schätzungsweise 14.000 bis 20.000 überlebten die Haft nicht. Der Komplex war Teil eines weitreichenden Systems, in dem Menschen aus vielen Ländern zur Zwangsarbeit ausgebeutet und verfolgt wurden.
Der Besuch in Natzweiler-Struthof führte uns vor Augen, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht an einzelnen Lagerzäunen endeten. Das Netz der Außenlager reichte weit in die Regionen hinein und verband zahlreiche Orte mit Zwangsarbeit und Verfolgung. Erinnerung bedeutet deshalb auch, nach den Spuren dieser Geschichte in der eigenen Umgebung zu hinterfragen und sichtbar zu machen, wie Menschen, Institutionen und Betriebe in das System eingebunden waren.
Gerade deshalb ermöglicht der Verein die große Austellung des Kreisarchivs Euskirchen zum Thema Zwangsarbeit in der Region, die vom 09. Oktober bis 06. November 2026 in der Sleidanushalle eröffnet wurde. Die Ausstellung selbst ist im Mehrzweckraum der Stadtbibliothek während der Öffnungszeiten der Bücherei kostenfrei zu sehen. Zu dem Thema hält Franz-Albert Heinen am Donnerstag, 15. Oktober, ab 19 Uhr im Ausstellungsraum einen Vortrag, der Eintritt ist ebenfalls frei.
Die Gedenkstättenfahrt hat gezeigt, dass Gedenken nicht beim Erinnern an die Opfer stehen bleiben darf. Er fordert dazu auf, Verantwortung, Mitwirkung und Wegsehen in den Blick zu nehmen und die Geschichte immer wieder neu zu befragen. Wir kehren zurück: bewegt von den Orten, bereichert durch den Austausch und bestärkt in der Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur.
Der Verein erinnern.bedenken.handeln e.V. (ebh), das Kreisarchiv Euskirchen und Vogelsang IP sowie die Stadtbibliothek zeigen vom 9. Oktober bis 6. November 2026 im Mehrzweckraum der Stadtbibliothek Schleiden die Ausstellung „Zwangsarbeit 1939–1945 im Kreisgebiet Euskirchen“.
Es handelt sich um eine von der Leiterin des Kreisarchivs Euskirchen, Heike Pütz, zusammengestellte Ausstellung. Die Auswahl der Exponate richtet den Fokus auf das Stadtgebiet Schleiden und beleuchtet ein lange verdrängtes Kapitel der Regionalgeschichte.
Eröffnung: Freitag, 9. Oktober, 18 Uhr, Sleidanushalle
Der Eintritt ist frei.
Kreisarchivarin Heike Pütz führt in die historischen Hintergründe der Zwangsarbeit ein und stellt die Probleme vor, die sich bei der Aufarbeitung des Themas den Forschenden stellen. Sie berichtet aus dem meist sehr schweren Alltag der zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und darüber, welche Repressionen des nationalsozialistischen Systems das Zusammenleben mit der deutschen Zivilbevölkerung erschwerten.
Dabei gerieten durch das soziale Unrecht nicht nur die ausländischen Arbeitskräfte in die Mühlen der Justiz, die im Extremfall den Tod durch Hinrichtung oder in einem Konzentrationslager fanden. Jedoch konnten auch deutschen Bürgerinnen und Bürgern Verfehlungen nach diesen Unrechtsgesetzen angelastet werden, die mit Schutzhaft, Gefängnis- und Zuchthausstrafen bis hin zu Konzentrationslagern geahndet wurden. Diesen neuen Aspekt der Zwangsarbeit hat das Kreisarchiv im letzten Jahr neu aufgearbeitet und in der Ausstellung dokumentiert.
Anschließend beleuchtet Fachbuchautor Franz-Albert Heinen die Lage sowjetischer Kriegsgefangener, die meist in Forstbetrieben, der Industrie und 1944/45 beim Stellungsbau eingesetzt wurden. Ihre Versorgung war extrem unzureichend; viele überlebten nicht. Allein im Südkreis Euskirchen kamen mehr als 320 Zwangsarbeiter aus beiden Gruppen um.
Nach dem offiziellen Teil besteht Gelegenheit zur Besichtigung der Ausstellung. Die Initiatoren hoffen auf großes Interesse an diesem wichtigen Thema der lokalen Zeitgeschichte.
Öffnungszeiten bis 6. November:
Montag: 10–14 Uhr
Dienstag und Donnerstag: 14–18 Uhr
Freitag: 14–17 Uhr
Ein vertiefender bebilderter Vortrag von F. A. Heinen findet am Donnerstag, 15. Oktober, um 19 Uhr im Ausstellungsraum statt.
Kontakt: info@erinnern-bedenken-handeln.de
14. Mai 2026
Ein Jahr nach seiner Gründung Ende Mai 2025 hat der neue Schleidener Gedenkverein‚ erinnern . bedenken . handeln e.V. (ebh) die Arbeit zur Umsetzung der Vereinsziele aufgenommen. Obwohl das erste Jahr von der Etablierung des Vereins und vom Tod des Geschäftsführers Wolfgang Pommer geprägt war, konnten bereits erste Vorhaben umgesetzt werden. Hier sei nur an die Veranstaltung am 7. März 2026 am Mahnmal vor dem Alten Rathaus in Schleiden erinnert. 81 Jahre nach der Befreiung des Stadtgebiets vom Nationalsozialismus konnte der Verein einen Stolperstein zur Erinnerung an den 1944 an der Kreuzung Holgenbach / Blumenthaler Straße von fanatischen Nationalsozialisten getöteten amerikanischen Kriegsgefangenen Quince Brown enthüllen. Stadt-Archivarin und Vereinsmitglied Nicole Gutmann ordnete das Geschehen historisch ein.
Am Wochenende 26./27. September veranstaltet ebh eine Gedenkstättenfahrt zu zwei Konzentrationslager-Gedenkstätten. Im Hunsrück besucht die Gruppe die Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers bzw. Konzentrationslagers Hinzert bei einer dreistündigen Führung. Danach geht die Fahrt weiter ins Elsass, wo am folgenden Tag die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Natzweiler besichtigt wird. Es handelte sich um das einzige Konzentrationslager auf französischem Boden. Dort wurden die Häftlinge, darunter viele vom französischen Widerstand, gezwungen, in einem Steinbruch spezielles Baumaterial für NS-Bauvorhaben zu brechen. Dutzende Außenlager dieses berüchtigten KZ verteilten sich über ganz Baden und Württemberg.
Im Oktober soll im JSG die große Ausstellung des Kreisarchivs Euskirchen zur Zwangsarbeit im Kreisgebiet präsentiert werden. Der Schwerpunkt soll dabei auf das Stadtgebiet Schleiden gelegt werden. Die Eröffnung ist für Freitag, 9. Oktober, 18 Uhr in der neuen Stadthalle geplant. Die Ausstellung selbst wird in dem großen Raum unterhalb der Stadtbibliothek aufgebaut. Im laufenden Jahr plant der Verein noch weitere Veranstaltungen. Zur Erinnerung an die Pogromnacht in Gemünd soll am 9. November 2026 dort wieder ein Gedenkgang zum Synagogendenkmal und zum jüdischen Friedhof stattfinden.
Der Verein ist aus dem Arbeitskreis hervorgegangen, der 2024 mit der Bürgerstiftung Schleiden zusammen das neue Mahnmal für die NS-Opfer im Stadtgebiet initiierte. Realisiert wurde ein vielgelobter Entwurf des Monschauer Schmieds Peter Henn. Diesem inzwischen im neuen Verein aufgegangenen Arbeitskreis erkannte der Stadtrat den mit 1.000 Euro dotierten dritten Ehrenamtspreis der Stadt Schleiden zu. Nach der Verleihung am 18.12.2025 im Rathaus Schleiden landete das Preisgeld in der Vereinskasse zur Finanzierung von Gedenk-Aktivitäten.
Die Bürgerstiftung Schleiden unterstützte die Bemühungen von ebh zum Aufbau einer Internet-Seite, die inzwischen freigeschaltet wurde. Im Verein haben sich Jendrik Balschun und Björn Pommer mit der Online-Präsenz des Vereins vertraut gemacht. Dieses ‚Team Internet‘ stellt dort und in den social Media aktuelle Informationen über das Vereinsgeschehen online. Außerdem kann man über die Internet-Seite Kontakt zum Verein aufnehmen.
6. April 2026
Die im vergangenen Herbst begonnene Wiederherstellung der Stützmauer am Schleidener Judenfriedhof ist inzwischen beendet. Damit kann der Friedhof als letzte authentische Erinnerung im Ort an die Geschichte der Schleidener Juden wieder betreten werden. Die Mauer war bei der Flutnacht 2021 so beschädigt worden, dass Einsturzgefahr bestand. Daraufhin wurde der Friedhof gesperrt, auch Pflegearbeiten waren nicht mehr möglich. In der Folge wucherten Gras und Sträucher.
Im vergangenen Jahr beauftragte der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein als Eigentümer ein Unternehmen mit der aufwändigen Wiederherstellung der Terrassierungsmauer zum Nachbargrundstück. Auf die Mauer wurde ein neuer Zaun aufgesetzt. Inzwischen sind die Arbeiten beendet, die Baustelle wurde geräumt und das Gelände gepflegt. Der Friedhof besteht hinter dem Tor aus einem Weg, seitlich zum Ruppenberg hin steigt das Gelände steil bis zur Begrenzungshecke an. An diesem Hang stehen nur noch wenige Grabsteine, die Beschriftung ist teilweise nicht mehr lesbar. Auch dort erfolgte ein Pflegeschnitt, so dass auch der 1988 aufgestellte Gedenkstein mit den Namen von 13 Schleidener Holocaust-Opfern vom Bewuchs befreit und wieder sichtbar wurde. (fa)
Den mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotierten dritten Platz beim Heimat-Preis NRW der Stadt Schleiden 2025 erhielt der ehemalige Arbeitskreis Gedenken, der inzwischen im gemeinnützigen Verein erinnern. bedenken. handeln aufgegangen ist. Heike Schumacher, Martina Hilger-Mommer, Klaus Ranglack und Franz-Albert Heinen nahmen in der letzten Ratssitzung des Jahres am 18. Dezember 2025 für den Arbeitskreis die Urkunde und den Preis entgegen. Diesmal hatte es echte Konkurrenz gegeben: Aus sechs Bewerbungen wählte die Auswahlkommission die drei Preisträger aus. Den ersten Preis und 2.500 Euro erhielt der Bürgerverein Oberhausen Eifel e.V. Den 2. Platz (1.500 Euro) sprach die Jury der Initiative „Spielenachmittag Schöneseiffen/Harperscheid“ zu.
Dem ehrenamtlichen Engagement des Arbeitskreises Gedenken, das die Bürgerstiftung Schleiden finanziell unterstützte, ist es zu verdanken, dass am „Alten Rathaus“ in Schleiden ein Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus im Stadtgebiet Schleiden errichtet wurde. In der Begründung der Stadt hieß es: „Der Arbeitskreis konnte weitere finanzielle Mittel akquirieren und leistete die erforderliche heimatgeschichtliche Forschungsarbeit, die Textgestaltung am Mahnmal, die Erstellung eines Informationsheftes, die Organisation eines Künstler-Wettbewerbs für die Gestaltung und begleitete das Projekt bis zur Fertigstellung im Rahmen einer Einweihungsfeier.“ Aus dem Arbeitskreis ging sodann die Initiative zur Gründung des Vereins „erinnern. bedenken. handeln“ hervor, der mit Mitteln des Heimatpreises weitere Projekte umsetzen wird, die der Erinnerungskultur im Stadtgebiet Schleiden insbesondere unter Einbindung von Jugendlichen dienen soll: „Lokale Identität und Heimatbewusstsein werden somit im besonderen Kontext zur Geschichte gefördert.“[1]
[1] Vgl. Stadt Schleiden, Ratsvorlage WP 12/2025/019.
In Schleiden wurde zur Erinnerung an den US-amerikanischen Piloten Major Quince Lucien Brown jr. ein Stolperstein an der Stelle seines Todes verlegt. Die feierliche Enthüllung fand im Beisein von rund 60 Teilnehmenden im Umfeld des Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus statt und wurde bewusst in zeitlicher Nähe zum Jahrestag der Befreiung Schleidens am 7. März 1945 terminiert.
Der 26-jährige, hochdekorierte Pilot war am 6. September 1944 über dem Gebiet Vogelsang mit seiner P-47 „Thunderbolt“ von deutscher Flugabwehr getroffen worden. Nach dem Fallschirm-Absprung landete er verletzt in der Nähe von Scheuren und geriet, nachdem er sich ohne Widerstand ergeben hatte, in deutsche Kriegsgefangenschaft. Damit unterstand er dem Schutz des Völkerrechts, insbesondere der Genfer Konvention.
Beim Fußweg mit zwei Wachsoldaten zu einer ärztlichen Versorgung in Schleiden kam es jedoch zu einer Eskalation. An der Einmündung ‚Holgenbach‘ in die damalige ‚Bahnhofstraße‘ wurden der Gefangene und die beiden Begleiter von einer Zusammenrottung von Soldaten aufgehalten und alsbald durch einen zufällig vorbeikommenden NS-Funktionär attackiert und letztlich durch zwei Schüsse getötet.
Zeitgenössische Darstellungen und spätere Einordnungen bewerten die Tat eindeutig als Lynchmord und damit als schweres Kriegsverbrechen.
Die juristische Aufarbeitung erfolgte erst Jahre später.
In einem Verfahren vor dem Landgericht Aachen im Jahr 1953 wurde der Haupttäter wegen Totschlags zu einer außerordentlich geringen Haftstrafe verurteilt, während ein weiterer Beschuldigter mangels Beweisen freigesprochen wurde.
Ziel des Gedenkens ist nicht die Würdigung eines Soldaten im militärischen Kontext, sondern die Erinnerung an ein Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Der Stolperstein fungiert dabei als Mahnmal für die Bedeutung völkerrechtlicher Normen, die als grundlegender Schutzmechanismus zwischen Zivilisation und Barbarei verstanden werden.
Die verheerende Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 richtete im Raum Schleiden schwere Schäden an. Davon betroffen war auch die Stützmauer, die den jüdischen Friedhof von dem darunterliegenden bebauten Grundstück trennt. Die Wassermassen beschädigten die Mauer derart, dass Einsturzgefahr bestand. Daher musste der Friedhof vorübergehend gesperrt werden und ist seitdem (Stand: Dezember 2025) nicht zugänglich.
Der Friedhof, ebenso wie der in Gemünd, gehört dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein in Düsseldorf. Auf Anfrage berichtete die Geschäftsführerin des Landesverbands, Dr. Inna Goudz, dass die Sanierungsarbeiten seit Herbst im Gange sind. Der Fortschritt der Arbeiten ist zufriedenstellend, die Fertigstellung werde voraussichtlich im kommenden Frühjahr erfolgen.
Nach Abschluss der Sanierung übernimmt die Stadt wieder die Pflege des Friedhofs. Aufgrund der jahrelangen nicht möglichen Pflege sind umfangreiche Arbeiten notwendig, da einige Grabsteine stark zugewachsen sind. Das gilt auch für die 1992 aufgestellte Namenstafel.
erinnern.bedenken.handeln e. V.
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