Der Kommerner Arbeitskreis Forschen-Gedenken-Handeln widmet sich seit vielen Jahren der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Stadtgebiet Mechernich wurden bislang 68 Stolpersteine verlegt; am vergangenen Samstag kamen sechs weitere hinzu. Zudem wurde am Eingang des jüdischen Friedhofs in Kommern eine neue Informationstafel zum „Anne‑Frank‑Baum“ enthüllt.
Mehr als 80 Menschen nahmen an der Feierstunde teil, die in der Mühlengasse begann. Dort erinnerten bereits vier Stolpersteine an Erich und Karolina Lewin sowie ihre Töchter Käthe und Else. Nun wurden zwei weitere Steine für Karolinas Eltern, Bernhard und Bertha Kahn, gesetzt. Die Kahns betrieben in der Bahnstraße in Mechernich ein Uhrmachergeschäft und flohen nach dem Novemberpogrom 1938 zu ihrer Tochter nach Kommern. 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. An der Verlegung nahmen auch Robbin Goss, ein Großneffe Bertha Kahns, und sein Sohn Arthur teil. Die Familie Lewin wurde 1942 nach Minsk deportiert; Erich, Karolina und Käthe starben in Maly Trostinec, Else im Vernichtungslager Sobibor. Rainer Schulz vom Arbeitskreis erinnerte daran, dass auch lokale Behörden an antijüdischen Maßnahmen beteiligt waren, wie ein erhaltener Schriftwechsel zwischen Amtsbürgermeister und Landrat zeigt.
In der Gielsgasse 12 wurden vier weitere Stolpersteine für die Familie Frohwein verlegt. Louis Frohwein, ein Witwer, wurde nach Theresienstadt deportiert; seine Kinder Jenny, Sibylla und Julius wurden „nach Osten“ verschleppt und gelten seitdem als verschollen. Anhand einer Versteigerungsliste für das Eigentum deportierter Juden machte Gisela Freier deutlich, dass sich Teile der nichtjüdischen Bevölkerung am Besitz der Opfer bereicherten.
Auf dem jüdischen Friedhof legten Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Mechernich am „Anne‑Frank‑Baum“ Steine mit den Namen der aus dem Ort deportierten Kinder nieder. Am Eingang des Friedhofs wurde eine neue historische Informationstafel enthüllt. Die Jugendlichen lasen Passagen aus dem Tagebuch der Anne Frank und legten anschließend weiße Steine auf die Grabsteine – ein stilles Zeichen des Gedenkens.
Für das ehrenamtliche Engagement der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V. gab es von allen Seiten höchstes Lob – Komplexes Netzwerk und zahlreiche Geldgeber ließen verrückte Idee Realität werden
Schleiden-Vogelsang – Es leben nicht mehr viele Menschen im Kreis Euskirchen, die den Schrecken des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg noch aus eigener Erfahrung kennen. Nachfolgende Generationen sind daher angewiesen auf Dokumente, archivierte Zeitzeugengespräche und eine historisch-wissenschaftliche Aufarbeitung. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V. beschäftigen sich schon seit mehreren Jahrzehnten mit dem Luftkrieg in der Zeit von 1939 bis 1945 im Rhein- und Moselland. Schwerpunktmäßig versuchen sie dabei bis heute, das Schicksal von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht, aber auch das von Luftfahrzeugbesatzungen der Alliierten zu ermitteln und sodann die nächsten Anverwandten zu kontaktieren. Dabei helfen ihnen oft technische Fundstücke. So konnten sie anhand von Schrottteilen bereits manches Fliegerschicksal aufklären.
Seit 2019, so berichtete AG-Leiter Frank Güth, habe man die Idee gehabt, diese Fundstücke für ein Dokumentationszentrum aufzuarbeiten. Als man den Experten für die Regionalgeschichte des Schleidener Tals für die Zeit des Zweiten Weltkriegs, Franz-Albert Heinen, über diese Idee informierte, habe man die Antwort erhalten: „Ihr seid total bekloppt.“ Dasselbe, so betonte der ehemalige Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Harry Voigtsberger, habe auch er gedacht, als er zum ersten Mal von dieser Idee hörte, habe es jedoch etwas diplomatischer ausgedrückt.
„Doch Heinen hat für uns dann augenblicklich sein Netzwerk aktiviert und uns bei der Umsetzung der Idee geholfen, wo immer er konnte“, berichtete Güth. Corona und Flutkatastrophe hätten das Projekt ausgebremst, seit 2023 sei man aber in die Realisierungsphase eingetreten, so dass man das Dokumentationszentrum heute eröffnen könne. Historische Objekte, wissenschaftliche Forschung und individuelle Erinnerungen lüden dort zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Luftkrieg und seinen Nachwirkungen in der Region ein.
Zugleich widme sich die Ausstellung der Erinnerungskultur nach 1945. Sie frage, welche Erzählungen und Mythen den Luftkrieg bis heute prägten und wie sie sich zu den Erkenntnissen der historischen Forschung verhielten. Dass ein solches Projekt nur durch die Kooperation unterschiedlichster Partner realisiert werden konnte, ließ Güth immer wieder durchblicken. So wird die Ausstellung fachlich von einer Projektgruppe unter Leitung des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte begleitet. Ihr gehören Vertreter der AG Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e. V., von Vogelsang IP, des Museums Zitadelle Jülich sowie des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr Berlin-Gatow an.
Gemeinschaftswerk
Finanzielle Unterstützung für das Projekt gab es dabei ebenfalls von zahlreichen Partnern. An den 1,3 Millionen Euro Investitionskosten beteiligten sich bis heute vor allem der LVR, die NRW-Stiftung und die LEADER-Region Eifel mit namhaften Beträgen. Aber auch weitere Spenden waren willkommen. So gab die Kultur- und Sportstiftung der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) beispielsweise 10.000 Euro. „Für uns ist das eine ziemlich große Summe für ein Einzelprojekt“, berichtete KSK-Stiftungsvorstand Karl-Heinz Daniel und fügte hinzu: „Die Eifelregion hat sehr stark unter dem Luftkrieg gelitten. Unserer Kultur- und Sportstiftung war es daher wichtig, dass diese Zeit objektiv dargestellt wird.“ Daniel betonte, dass man vor allem nicht vergessen sollte, dass der Luftkrieg eine Folge der Politik des Dritten Reichs gewesen war. „Die Ausstellung möchte die Erinnerung an diese schlimme Zeit für die nachfolgenden Generationen wachhalten. Deshalb haben wir dieses Projekt gern unterstützt“, sagte er.
„Dieser besondere Erinnerungsort nahe der belgischen Grenze schafft neue Synergien und ist ein Paradebeispiel dafür, wir fruchtbar vereinte konzeptorientierte Arbeit am Standort sein kann“, betonte Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, in ihrem Grußwort. Das Projekt sei ein „echtes Gemeinschaftswerk“. Dabei hob Henk-Hollstein vor allem das außergewöhnliche Engagement der AG Luftkriegsgeschichte hervor.
Ehrenamtliche Höchstleistung
„Sie haben fast 26.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet“, wandte sich auch Landrat Markus Ramers an die Mitglieder der AG, „ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut, sich Sachverstand in der wissenschaftlichen Welt verschafft, jede Menge Überzeugungsarbeit geleistet und vor allem Geduld bewiesen mit Behörden und Bürokratie.“
Ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement sei hier ein Angebot für die Allgemeinheit geschaffen worden, das es sonst nicht gegeben hätte, freute sich der Bürgermeister der Stadt Schleiden, Ingo Pfennings. „Vielen Dank an euch, dass ihr so verrückt wart, diese Idee umzusetzen“, so Pfennings an die Ehrenamtler. Kritik am Standort Vogelsang für das Dokumentationszentrum wies Pfennings zurück: „Der Kerngedanke der Ausstellung ist ja nicht, dass es einen Luftkrieg gegeben hat, und es geht auch nicht darum, ein Heldenepos des Luftkriegs nachzuerzählen, sondern es geht um Menschen und ihre Geschichten.“
Erinnerungskultur, so zeigte Dr. Helmut Rönz, Leiter des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, hat allerdings ein grundlegendes Problem: „An welche historischen Ereignisse erinnern Sie sich, bei denen Sie gar nicht dabei waren?“ fragte er die zahlreichen Gäste, die am Samstagmorgen zur Eröffnung des Dokumentationszentrums nach Vogelsang gekommen waren. Laut Rönz erinnere man sich nicht einfach, sondern „wir machen Erinnerungen.“ Dies treffe in besonderer Weise auf die Eifel zu, da es hier vom Westwall über zahlreiche Soldatenfriedhöfe bis hin zur ehemaligen NS-Burg Vogelsang zahlreiche Erinnerungsorte gebe, die ihre Geschichte nicht von selbst erzählten. Gebäude, Relikte, Dokumente seien nämlich nicht selbsterklärend, sondern bekämen ihre Bedeutung erst durch Erzählungen und Erklärungen verliehen.
Zeit mitbringen
„Gerade nach 1945 haben sich hier in unserer Region und in der gesamten Republik unterschiedliche Erzählungen entwickelt“, so Rönz. Dazu gehörten Narrative, die entlasteten und relativierten. Die Dekonstruktion von Mythen und die Betrachtung der Rezeptionsgeschichte sei deshalb wichtiger Bestandteil historischer Arbeit. Erinnerungskultur sei nämlich mehr als das Bewahren von Dingen: „Sie ist eine Auseinandersetzung um ihre Bedeutung und blickt nicht nur zurück, sondern will auch Aufschluss darüber geben, wie wir heute und in Zukunft miteinander leben wollen.“
Wer die Ausstellung besucht, sollte etwas Zeit mitbringen. Nur dann hat man Gelegenheit, die Exponate nicht nur als ästhetisch in Szene gesetzten Schrott wahrzunehmen, sondern die tragischen Geschichten dahinter zu erfahren. So sieht man beispielsweise eine deformierte und verrostete Kurbelwelle sowie die Zylinderreste eines Rolls Royce Merlin Motors. Die Wrackteile, so erfährt man, gehörten zu einem viermotorigen Bomber der Royal Air Force. Das Flugzeug war im Oktober 1943 auf dem Weg nach Kassel und wurde von einem deutschen Nachtjäger abgeschossen. Die Maschine stürzte südlich von Nettersheim ab. Von der achtköpfigen Besatzung, deren Namen auf einer Tafel genannt werden, überlebte niemand. Die Männer wurden zunächst in Nettersheim begraben und später auf die Kriegsgräberstätte in Rheinberg umgebettet.
Das Dokumentationszentrum bringt auch immer wieder die größeren historischen Zusammenhänge in den Blick, klärt auf über die Fliegerpropaganda der Nationalsozialisten, erinnert an Zwangsarbeiter oder KZ-Häftlinge, die für die Luftfahrtbetriebe arbeiten mussten, zeigt aber auch Kuriosa wie etwa ein Hochzeitskleid aus Fallschirmseide.
Das Dokumentationszentrum Luftkrieg in Vogelsang 42 befindet sich im linken Flügel der Tordurchfahrt Malakoff. Die Öffnungszeiten sind freitags, samstags und sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt 12 Euro für Erwachsene und 8 Euro für Kinder. Führungen können unter Tel. 0 24 44/9 12 53 94 vereinbart werden.
27. August 2026
Mit Farbe wurde am Dienstag, 25. August, das Blumenthaler Synagogen-Mahnmal der Gedenkgruppe „Juden im Tal.Hellenthal“ (JudiT.H) beschmiert. Zeugen beobachteten eine Frau dabei, wie sie die zentrale Glasscheibe mit einem großen runden gelblichen Anstrich versah und Stahlteile des Mahnmals mit blauer Farbe anstrich. Die alarmierten Polizisten wollten an der Einsatzstelle den Sachverhalt zu Protokoll nehmen. Dabei leistete die Frau Widerstand, wie dem nachfolgend abgedruckten Bericht der Polizeipressestelle Euskirchen vom 27.08.2026 zu entnehmen ist:
„Am Dienstag, 25. August, gegen 9.10 Uhr kam es in Hellenthal-Blumenthal zu einem tätlichen Angriff auf Polizeibeamte. Zuvor war eine 38-jährige Frau aus Hellenthal dabei beobachtet worden, wie sie ein Denkmal an der Alten Schulstraße mit Farbe beschmierte. Die eingesetzten Beamten trafen die Frau vor Ort an. Im Rahmen der Sachverhaltsaufnahme stellten sie fest, dass die 38-Jährige ein Messer mit sich führte. Im weiteren Verlauf leistete die Frau Widerstand gegen die polizeilichen Maßnahmen und biss einer Polizeibeamtin ins Bein. Die 38-Jährige konnte durch die eingesetzten Beamten fixiert werden. Sowohl die Frau als auch die Beamtin wurden bei dem Vorfall verletzt. Die Polizeibeamtin blieb jedoch dienstfähig.
Zur Feststellung ihrer Personalien wurde die 38-Jährige zur Polizeiwache nach Schleiden gebracht. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde sie wieder entlassen und erhielt einen Platzverweis für die Tatörtlichkeit. Gegen die 38-Jährige wurden Strafanzeigen wegen des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie wegen Sachbeschädigung gefertigt.“ (Quelle: https://euskirchen.polizei.nrw/presse/taetlicher-angriff-auf-polizeibeamtin-und-sachbeschaedigung)
So weit der Bericht der Behörde. Zuständigkeitshalber übergab die Kreispolizei den Fall für die weiteren Ermittlungen an die sog. Staatsschutzabteilung beim Polizeipräsidium Bonn. Allerdings sind am Mahnmal keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund erkennbar.
Vor Ort zeigte sich, dass die gelbe Farbe auf der großen Glasscheibe mit Wasser und Schwamm leicht zu entfernen war, was inzwischen auch geschehen ist. Für die Entfernung der blauen und an anderer Stelle bräunlichen Farbe vom Stahl des Denkmals wird jedoch erheblicher Aufwand erforderlich sein.
Es handelte sich nicht um die erste Attacke gegen das von der inzwischen verstorbenen Künstlerin Maggie Töpfer gestaltete Mahnmal seit der Denkmalenthüllung am 09.11.2008 durch die damals in New York lebende ehemalige Hellenthaler Jüdin Margot Heumann. Sowohl 2009 als auch 2010 wurde das Glas durch Steinwürfe beschädigt. Die mit einem Vers der deutsch-jüdischen Dichterin Nelly Sachs bedruckte Glasplatte beginnt mit den Worten: „Wenn ich nur wüßte, worauf Dein letzter Blick ruhte.“ Das Spezialglas wurde mindestens zweimal durch Steinwürfe zersplittert, Täter wurden nie ermittelt. Vorerst blieb die zersplitterte Scheibe als signifikantes Zeichen auf die Attacken so wie sie war. In zersplitterter Form wirkte die Scheibe noch eindringlicher als vorher, wie das hier beigefügte Bild von der Rückseite des Mahnmals während der Vorbeifahrt eines Dampfzuges zeigt. Später musste das instabile Glas aus Sicherheitsgründen doch entfernt werden. 2022 wurde eine neue Scheibe eingesetzt.
Die 1904 geweihte Blumenthaler Synagoge galt als eine der schönsten und repräsentativsten der
Eifel. Sie gehörte der vergleichsweise großen jüdischen Gemeinde des Obertals. 1938 wurde das stattliche Bauwerk durch vorwiegend örtliche Nationalsozialisten bei einem Pogrom zerstört. Die Brandruine wurde 1942 entfernt. Heute steht das Areal unter Bodendenkmalschutz.
Nachtrag vom 05.09.2026:
Die Gemeinde Hellenthal reagierte umgehend auf die Nachricht von der Bemalung des Mahnmals und ließ kurzfristig die Farbe entfernen. Damit ist der Schaden beseitigt.
In Strauch, Gemeinde Simmerath, wurde am Samstag, 15. August 2026, ein Mahnmal enthüllt, das an das von 1941 bis mindestens 1943 bestehende Arbeitskommando 798 für Kriegsgefangene erinnert. Bis zu 200 polnische, französische und schließlich sowjetische Kriegsgefangene waren dort interniert. Sie wurden überwiegend in Forst- und Landwirtschaft sowie bei Bauarbeiten eingesetzt. Mindestens 76 Gefangene nahezu ausschließlich aus der damaligen Sowjetunion gingen in diesem Lager zugrunde. Einige weitere starben in einem sogenannten ‚Lazarett‘ in Arnoldsweiler. Haupttodesursache waren ersichtlich die unmenschlichen Lebensbedingungen für die sowjetischen Gefangenen.
Es gab zu wenig Nahrung, keine angemessene medizinische Versorgung und brutale Behandlung durch die Wachen. Die Verstorbenen wurden auf einem provisorischen Friedhof am Buhlert beigesetzt und 1961 zu einem neu errichteten Gemeinschaftsfriedhof für alle sowjetischen Verstorbenen im damaligen Regierungsbezirk Aachen umgebettet. Dieser Friedhof liegt unscheinbar abseits jeder Bebauung zwischen Rurberg und Kesternich. In einem Wäldchen. Mit den Leichnamen verschwand die letzte Spur, die auf das grausige Lager mitten in Strauch hätte hinweisen können. Dar Arbeitskommando 798 geriet im Ort in Vergessenheit.
Seit 2021 hatte der Arbeitskreis Dorfgeschichte Strauch das Ziel verfolgt, im Ort eine Erinnerungsstätte an diese Opfer des NS-Regimes zu errichten. Bei der Einweihung wurde einerseits das eigentliche Denkmal enthüllt – eine stilisierte Lagerkulisse aus Cortenstahl –, daneben steht eine Informationstafel, die die Geschichte des Lagers darstellt. Bei deren Erstellung hatten die Straucher Unterstützung durch Dr. Dieter Lenzen und Konrad Schöller, die zum Schicksal der Zwangsarbeiter in der Region geforscht hatten.
Der Landtagsabgeordnete Daniel Scheen-Pauls, zugleich Ortsvorsteher von Strauch, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer der Denkmalenthüllung. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom örtlichen Trommler- und Pfeiferkorps. Scheen-Paul konstatierte, dass der Ort 80 Jahre lang „keine Sprache“ hatte für das, was dort geschehen war. Er betonte, dass die Initiative aus dem Ort heraus entstanden sei. Daraus entstehe Haltung. Das Mahnmal zeige, dass die Kriegsschrecken „nicht irgendwo weit weg waren, sondern mitten im Dorf.“
Nach einer Ansprache des Simmerather Bürgermeisters Bernd Goffart ergriff als Ehrengast die Ukrainische Honorar-Konsulin in Köln, Linda Mai, das Wort. Sie war sichtlich berührt von der Erinnerungsveranstaltung, die den Opfern wieder ein Gesicht gebe. Tatsächlich handelte es sich bei einem großen Teil der Opfer um Ukrainer. Sie verband den Blick zurück mit dem aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
Abschließend folgten zwei Kurzvorträge von Konrad Schöller und Dieter Lenzen, der darauf hinwies, dass der Ort von diesem Zwangsarbeitslager durchaus profitiert habe. Im Hinblick auf die Erinnerungskultur warf er die Frage auf, ob es reiche, im Rahmen einer ‚Wohlfühlerinnerung‘ an die Opfer zu erinnern, oder ob man nicht auch an die damals im Ort in das Geschehen Verstrickten erinnern solle.
Zum 82. Jahrestag der Befreiung Roetgens lädt der Verein „Erinnerung verpflichtet“ für den 12. September zu einem kostenlosen
historischen Rundgang ein. Wanderausstellung „Erinnern und engagieren digital“ des Anne-Frank-Zentrums Berlin ins Eifelmuseum nach Blankenheim. Begleitet wurde die Ausstellung von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm, das zur Auseinandersetzung mit Geschichte und zur aktiven Mitgestaltung der Erinnerungskultur einladen soll.
ROETGEN Anlässlich des 82. Jahrestages der Befreiung Roetgens vom nationalsozialistischen Terrorregime am 12. September 1944 und dem damit eingeleiteten Ende des Dritten Reichs findet ein historischer Spaziergang in Roetgen tatt.
Dazu laden Mirjam Adam und Katharina Isabel Franke vom Verein „Erinnerung verpflichtet” und Achim Konejung von der „Konejung Stiftung: Kultur“ gemeinsam ein.
An diesem Tag soll auf historsche Ereignisse zurückgeblickt werden, „die sich im vermeintlich unscheinbaren regionalen Kontext abgespielt haben, jedoch dennoch Abbild der größeren gesellschaftlichen Themen des Nationalsozialismus sind“, sagt Franke: „Zum anderen werden wir an die Gegenwart anknüpfen
und verdeutlichen, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte vor der eigenen Haustür aktueller ist denn je“, so die Initiatorin.
Der kostenfreie Spaziergang startet am Samstag, 12. September, um 11 Uhr, an der Wanderstation an der Mühlenstraße gegenüber dem Roetgener Bahnhof.
Der Rundweg umfasst mehrere Stationen und wird insgesamt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden
umfassen. Die Route kann nicht barrierefrei gestaltet werden. Im Anschluss ist eine Einkehr im Restaurant der „Roetgen Therme“ geplant, wo auf eigene Kosten gegessen werden kann und die Teilnehmer ins Gesprächkommen können.
Anmeldungen werden erbeten per E-Mail an
kontakt@erinnerungverpflichtet.de
Die Eröffnungstafel der Wanderausstellung „trotzdem da!“
Eine der Tafeln, auf denen die Schicksale einzelner Kinder aus damals sog. „verbotenen Beziehungen‘“ vorgestellt werden
Die Leiterin der Gedenkstätte KZ Hinzert, Dr. Sabine Arend, begrüßte die Teilnehmer der Ausstellungseröffnung
Der Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Andreas Ehresmann, führte in die Ausstellung ein
Die architektonisch ungewöhnliche Gestaltung des Ausstellungsgebäudes der Gedenkstätte KZ Hinzert wurde mehrfach ausgezeichne
Die im Rahmen eines überregionalen Forschungs- und Ausstellungsprojekts 2023/24 von der Gedenkstätte Lager Sandbostel realisierte Wanderausstellung »trotzdem da!« erzählt die Lebensgeschichten von Kindern, die während des Zweiten Weltkriegs oder in der frühen Nachkriegszeit aus „verbotenen Beziehungen“ zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter:innen hervorgingen. Informationen zur Ausstellung findet man unter https://trotzdemda.de/.
Zunächst wurde die Ausstellung, die den Fokus auf die Kinder aus solchen Beziehungen lenkt, an das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin ausgeliehen. Nach weiteren Ausstellungsorten folgte nun seit Sonntag, 12. Juli 2026, bis zum 30. August 2026 die Präsentation in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert, Hinzert-Pölert (unweit von Trier Richtung Hermeskeil). Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, zu der die Gedenkstätte KZ Hinzert gehört, wurde Ziel eines Cyberangriffs, daher ist die Website www.gedenkstaette-hinzert-rlp.de aktuell nicht erreichbar. Eine Kurz-Info findet man auch hier: https://www.bpb.de/themen/holocaust/erinnerungsorte/502995/gedenkstaette-ss-sonderlager-kz-hinzert/.
Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Einrichtung besichtigt werden: täglich außer montags von 9-17 Uhr bzw. samstags von 14-17 Uhr. Ab dem 3. September 2026 ist die Ausstellung dann in der Gedenkstätte KZ Osthofen zu sehen.
Am Sonntag, 12. Juli 2026, begrüßte die Leiterin der Gedenkstätte, Dr. Sabine Arend, zur Ausstellungseröffnung die Gäste, darunter auch Franzosen und Luxemburger. In die Ausstellung führte der Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Andreas Ehresmann, ein. Mehr als 20 Kinder aus ‚verbotenen Beziehungen‘ aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden wirkten bei dem Projekt »trotzdem da!« mit. Lebendig werden die auf großformatigen Schautafeln dargestellten Schicksale durch Dokumente und Fotos. Hinzu kommen Ausschnitte aus Video-Interviews.
Auch die Geschichten der leiblichen Eltern werden vorgestellt. Ergänzend wird in jeder Biografie ein mit der Lebensgeschichte verbundenes historisches Thema vertieft behandelt. In der Ausstellung erfährt man auch mehr zu den Themen Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in der NS-Gesellschaft. Insgesamt wurden rund 4,6 Millionen Kriegsgefangene und 8,5 Millionen ausländische Zwangsarbeiter:innen in Deutschland zur Arbeit eingesetzt.
Engere Kontakte zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen sowie zivilen Zwangsarbeiter:innen waren grundsätzlich unerwünscht und aus rassistischen Gründen verboten. Trotzdem kam es zu zahlreichen Begegnungen, auch zu sexuellen Kontakten und Liebesbeziehungen, die allerdings häufig aus dem engeren Umfeld der Beteiligten heraus denunziert wurden und die Gestapo auf den Plan riefen. Eine spezielle soziale Sondergesetzgebung regelte die oft brutale Bestrafung der Beteiligten nach Verstößen gegen das Kontaktverbot. Bei Beziehungen zwischen polnischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen wurden nicht selten die Männer erhängt und die Frauen für Monate als Häftlinge in das Konzentrationslager Ravensbrück geschickt. Nicht alle überlebten. In manchen Fällen wurden die polnischen Männer, deren Arbeitskraft auch weiterhin erhalten bleiben sollte, zur „Überprüfung der Eindeutschungsfähigkeit“ in das KZ Hinzert überstellt. Das betraf auch polnische Zwangsarbeiter aus dem Kreisgebiet Schleiden.
Die Wander-Ausstellung in der Gedenkstätte KZ Hinzert korrespondiert mit einer erst vor wenigen Monaten im Kreishaus Euskirchen gezeigten Ausstellung der Leiterin des Kreisarchivs, Heike Pütz, die den sog. „Verbotenen Beziehungen“ im Kreisgebiet nachspürte.
F.A. Heinen
Bürgermeister Emmanuel Kunz empfängt den Urenkel des früheren Zwangsarbeiters Walenty Fabijański im Rathaus und besucht mit ihm das Grab des 1945 in Kall verstorbenen Polen.
Kall, 19.06.2026
„Heute setzen wir gemeinsam ein Zeichen des Erinnerns und der Versöhnung.“ Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Emmanuel Kunz den polnischen Gast Marcin Korneluk im Rathaus der Gemeinde Kall. Es waren Worte, die den Charakter eines Tages beschrieben, an dem Geschichte greifbar wurde und aus historischen Dokumenten, Briefen und Archivakten die Lebensgeschichte eines Menschen hervortrat: die Geschichte von Walenty Fabijański.
Rund 80 Jahre nach dessen Tod war sein Urenkel Marcin Korneluk gemeinsam mit seiner Partnerin Katarzyna Wojtczak nach Kall gekommen, um den Spuren seines Vorfahren zu folgen. Die Reise führte ihn an jene Orte, die mit dem Leben, der Arbeit und dem Tod seines Urgroßvaters verbunden sind – und schließlich zu dessen Grab auf der Kriegsgräberstätte Mariawald.
Den Auftakt bildete ein Empfang im Rathaus der Gemeinde Kall. Dort erinnerte Bürgermeister Emmanuel Kunz an das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters, der während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland in Kriegsgefangenschaft geriet, interniert und schließlich zur Zwangsarbeit „entlassen“ wurde. Ende 1944 wurde Walenty Fabijański bei einem Luftangriff auf Kall schwer verwundet und verstarb Anfang Januar 1945 an den Folgen. „Hinter diesen wenigen Daten steht das Leben eines Menschen – eines Sohnes, eines Familienmitglieds, eines Landsmannes“, betonte Kunz. Zu lange seien die Schicksale von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auf nüchterne Aktenvermerke reduziert worden. Umso wichtiger sei es, dass heute nicht nur über Geschichte gesprochen werde, sondern die Menschen hinter den Dokumenten sichtbar würden.
Für Marcin Korneluk ist die Geschichte seines Urgroßvaters seit vielen Jahren Teil intensiver Recherchen. Der Journalist und Filmemacher hat zahlreiche Dokumente, Fotografien und Briefe zusammengetragen, die das Leben von Walenty Fabijański nachzeichnen. Gleichzeitig sei der Urgroßvater in der Familie immer präsent geblieben. Seine Großmutter, die zwölf Jahre alt war, als der Vater „in ein 14-tägiges Manöver“ zog und nie wiederkehrte, habe immer viel von ihm gesprochen. „Wir vergeben, aber wir vergessen nicht“, habe sie immer gesagt. Dieses Zitat schrieb Marcin Korneluk auch ins „Goldene Buch“ der Gemeinde Kall.
Zuvor übergab Marcin Korneluk der Gemeinde Kall Kopien dieser Unterlagen für das Gemeindearchiv. „Solche Zeugnisse helfen uns, Geschichte besser zu verstehen und für kommende Generationen zu bewahren“, sagte Bürgermeister Kunz. Die Dokumente gäben den Menschen hinter den historischen Ereignissen ihre Namen, ihre Stimmen und ihre Würde zurück.
Möglich geworden war die Rekonstruktion der Lebensgeschichte durch die Zusammenarbeit zahlreicher Beteiligter. Auf Basis der Recherchen des Kaller Lokalhistorikers Andreas Züll und des Buchautors Franz Albert Heinen sowie von Hinweisen der Archivarinnen Heike Pütz, Nicole Gutmann und Johanna May vom Kloster Steinfeld konnte Alice Gempfer von der gemeindlichen Pressestelle entscheidende Puzzlestücke zusammensetzen. Besonders wichtig und größtes Anliegen von Marcin Korneluk war dabei die Suche nach der letzten Ruhestätte von Walenty Fabijański: „Ich möchte dort Blumen ablegen und ihm die letzte Ehre erweisen.“ Auch war es sein großer Wunsch, einen Nachfahren der ehemaligen Kaller Firma Michael Schumacher kennenzulernen, in der Walenty Fabijański als Fahrer eingesetzt war. Mit Ralf Schumacher, der dem Gesamtbild weitere Puzzlesteine hinzufügen konnte, wurde auch das möglich.
Die Gedenkfahrt führte zunächst in die Trierer Straße – an jene Orte, die eng mit den letzten Lebensjahren von Walenty Fabijański verbunden sind. Dort befanden sich sowohl sein damaliges Wohnumfeld als auch die Arbeitsstätte der Familie Schumacher, beides konnte Ralf Schumacher vor Ort konkretisieren. Wenige Meter entfernt befindet sich mit dem früheren „Haus Hörnchen“ zudem der Ort, an dem er während eines Luftangriffs schwer verletzt wurde. Die Stationen machten deutlich, wie präsent im Ortsbild die historischen Ereignisse noch heute sind.
Für Andreas Züll, der sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte Kalls im Schatten der Weltkriege und der NS-Zeit beschäftigt, sind solche Orte von besonderer Bedeutung. Sie ermöglichen es, historische Schicksale aus der Anonymität herauszuholen und ihnen einen konkreten Platz in der Erinnerung zu geben. So erinnerte er auch an seinen eigenen Urgroßvater, der am Kaller Bahnhof direkt gegenüber der Trierer Straße gearbeitet hatte: „War er menschlich gewesen? Ich hoffe es. Sind die beiden sich begegnet?“ Mit Blick auf die deutsch-polnische Begegnung sagte er: „Wenn überhaupt lässt sich das alles nur gemeinsam überwinden. In der Begegnung, der Verständigung, im aufeinander Zugehen – im sich wieder und wieder die Hände reichen.“
Franz Albert Heinen ordnete die Geschichte historisch ein. Der Autor des Standardwerks über Zwangsarbeit im ehemaligen Kreis Schleiden erinnerte daran, dass das Schicksal von Walenty Fabijański stellvertretend für Millionen Menschen steht, die während der NS-Herrschaft verschleppt und zur Arbeit gezwungen wurden. Zugleich betonte Heinen, dass hinter jeder Zahl ein individuelles Leben stehe.
Die letzte Station des Tages führte schließlich zur Kriegsgräberstätte auf dem Soldatenfriedhof in Mariawald. Hier fand die Spurensuche ihren emotionalen Abschluss. Seit der Umbettung vom ehemaligen Kaller Friedhof an der heutigen Aachener Straße im Jahr 1960 befindet sich dort das Grab von Walenty Fabijański.
Gemeinsam legten Marcin Korneluk und Bürgermeister Emmanuel Kunz Blumen nieder und gedachten des Verstorbenen. Zwischen den Grabreihen wurde spürbar, dass Erinnerung weit mehr ist als die Bewahrung historischer Fakten.
„Die Ereignisse der Vergangenheit sind nicht abgeschlossen. Sie wirken über Generationen hinweg nach“, hatte Bürgermeister Kunz bereits zu Beginn des Tages betont. Die Geschichte von Walenty Fabijański zeigt dies in besonderer Weise. Was mit einem einzelnen Schicksal begann, wurde an diesem Tag zu einer Geschichte der Begegnung, der Verständigung und des gegenseitigen Respekts.
Der Besuch von Marcin Korneluk hat deutlich gemacht, dass Erinnerungsarbeit nicht allein in Archiven stattfindet. Sie lebt von Menschen, die Fragen stellen, nach Antworten suchen und bereit sind, Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu bauen. So entstand acht Jahrzehnte nach dem Tod von Walenty Fabijański eine neue Verbindung zwischen seiner Familie und der Gemeinde Kall – getragen von dem gemeinsamen Willen, die Erinnerung lebendig zu halten und Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen.
Und diese Verbindung soll von Bestand sein. Mit Zustimmung der Familie Korneluk wird die Gemeinde Kall die Verlegung eines Stolpersteins für Walenty Fabijański beantragen. Zur Verlegung in der Trierer Straße möchte Marcin Korneluk erneut nach Kall kommen. FA Heinen regte zudem an, an zentraler Stelle in Kall ein Mahnmal für alle Zwangsarbeiter zu errichten.
Eine wichtige Brücke zwischen den Gästen aus Polen und den Teilnehmenden aus Deutschland schlug während des gesamten Tages die Dolmetscherin Anja Joniec, die hauptberuflich einen der gemeindlichen Kindergärten leitet. Mit sprachlicher Professionalität und großer Empathie sorgte sie dafür, dass nicht nur die Worte, sondern auch die persönlichen Gefühle und Erinnerungen verständlich wurden, und trug so wesentlich zum Gelingen der Begegnung bei.
Pressemitteilung der Gemeinde Kall
Weitere Links:
Der Zwangsarbeiter Walenty Fabijanski 1941 an der Arbeitsstelle in Kall.
Foto: Privatbesitz Marcin Korneluk
Der Kaller Bürgermeister Emmanuel Kunz (links) mit Marcin Korneluk am Grab seines in Kall als Zwangsarbeiter umgekommenem Urgroßvaters.
Im Doppelgrab in Mariawald ruht neben Walenty Fabijanski auch sein Schicksalsgenosse Stanislaus (Stanislaw) Gozdek, der ebenfalls in Kall bei einem Luftangriff vermutlich am 23.12.1944 umkam.
Marcin Korneluk zeigte das Foto eines Grabs in Polen, das die Witwe von Walenty Fabijanski nach einem Besuch am Grab ihres Mannes auf dem Soldatenfriedhof Mariawald gestalten ließ.
Marcin Korneluk mit seiner Partnerin Katarzyna Wojtczak.
Die Sonderausstellung des Kreises Euskirchen „Butterbrot – ein Jahr Gefängnis…“, die zunächst im Foyer der Euskirchener Kreisverwaltung gezeigt wurde, ist seit der Eröffnung am Dienstag, 19. Mai 2026, im Sonderausstellungsraum in Vogelsang IP zu besichtigen. Die großformatigen Ausstellungstafeln thematisieren das Schicksal von Frauen aus der Region, die im Nationalsozialismus wegen freundlicher Gesten gegenüber polnischen Zwangsarbeitern in die Fänge der Gestapo gerieten und wegen „verbotener Kontakte“ ins Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen wurden.
Näheres dazu auf der Internet-Seite von Vogelsang IP:
Zwei Jahrzehnte alt wurde im Dezember 2025 das Dokumentations- und Begegnungshaus der Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ Hinzert rund 30 Kilometer östlich von Trier. Es handelt sich um das von der Nordeifel aus nächstgelegene ehemalige nationalsozialistische Konzentrationslager.
Die Eröffnung hatte am Internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember 2005, stattgefunden. Damals wurde das architektonisch einzigartige Dokumentations- und Begegnungshaus von den damaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Luxemburg, Kurt Beck und Jean-Claude Juncker in Anwesenheit zahlreicher Überlebender des Lagers und deren Angehörigen eröffnet. Das Bauwerk, dessen Gestaltung bis heute als öffentliche Provokation in der Landschaft steht, hat seither viele Architekturpreise erhalten. Hunderttausende Besucherinnen und Besucher aus aller Welt besuchten die Anlage. Geführt wird sie unter der Regie der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (LpB).
Kurt Beck nahm auch am Freitag, 12. Dezember 2025, an der 20-Jahr-Feier der Gedenkstätte teil. Bei der Veranstaltung blickten die Redner auf die Gründungsgeschichte der Gedenkstätte zurück. Bernhard Kukatzki, Direktor der LpB, wies daraufhin, dass die Landeszentrale schon 1992 in ihrer Gedenkstättenkonzeption den notwendigen Neubau des 2005 eröffneten Dokumentations- und Begegnungshauses und des Informationssystems der „Stätten der Unmenschlichkeit“ vorsah. Seitdem hat die LpB zahlreiche Dokumentationen publiziert, die Errichtung der Schutzhütten an den ehemaligen Massengräbern durchgeführt und mit internationalen Treffen ehemaliger Deportierter und mit zahlreichen Projekten im In- und Ausland die Gedenkstättenarbeit in Hinzert betrieben. Dabei kooperierte sie regelmäßig mit den Verbänden der ehemaligen Deportierten aus Luxemburg und Frankreich und dem Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V.
In den vergangenen 30 Jahren hat Hinzert die Zusammenarbeit zwischen den Gedenkarbeitsgruppen in Europa, insbesondere aus Luxemburg und Frankreich, gestärkt und verzeichnet deutlich wachsende Besucherzahlen.
Katharina Heil, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit, betonte in ihrer Begrüßungsrede: „Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das KZ Hinzert für Jahrzehnte nahezu vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein. Erst durch die Gründung des Fördervereins im Jahr 1989 und die Eröffnung des Dokumentations- und Begegnungshauses am 10. Dezember 2005 wurde der Grundstein für eine Gedenkstätte gelegt. Heute erinnert die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert an die Opfer des Nationalsozialismus und macht deutlich, dass Erinnern auch politische Verantwortung bedeutet.“
Der Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte KZ Hinzert e.V., Dieter Burgard, stellte heraus, dass „gerade hier jungen Menschen aufgezeigt wird, was es für Konsequenzen hat, wenn Demokratie zerstört wird und Unmenschlichkeit herrscht.“ An der abschließenden Gesprächsrunde nahmen auch der damalige Ministerpräsident Kurt Beck und Albert Hansen, Amicale des Anciens de Hinzert, Luxemburg, teil.
Die Leiterin der Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ Hinzert, Dr. Sabine Arend, stellte nach der Diskussionsrunde das neue Projekt vor, das sich den ehemaligen Außenlagern des KZ widmet und präsentierte exemplarisch drei Roll-Ups, in denen erste Außenlager vorgestellt wurden. Die Referatsleiterin für Gedenkarbeit in der Landeszentrale, Kathrin Künstler, richtete den Blick in die Zukunft der Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz.
Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert bestand von 1939 bis 1945. Ursprünglich Polizeihaftlager und SS-Sonderlager für nicht konforme Westwall-Arbeiter, wurde es während des Zweiten Weltkriegs ein Konzentrationslager für Deportierte aus den besetzten Ländern. Das Lager bestand bis März 1945. Kurz vor der Ankunft amerikanischer Truppen wurde es teilweise geräumt. Die meisten Gefangenen wurden zu Fuß unter Bewachung auf einen Todesmarsch zum KZ Buchenwald geschickt. Gesichert sind mindestens 10.000 Häftlinge und 321 Todesfälle im KZ Hinzert. (fa, mit der Pressemitteilung des LzB RLP)
Das ‚Haus Risa‘ am Ortsrand von Mechernich-Kalenberg war von 1941 bis 1943 das sogenannte ‚Judenlager‘ des Kreises Schleiden. Die letzten noch nicht deportierten Jüdinnen und Juden des Schleidener Landes mussten damals unter dem Zwang nationalsozialistischer Akteure ihre eigenen Häuser verlassen und im ‚Haus Risa‘ unter sehr schlechten Bedingungen auf den Transport in die Vernichtungslager im Osten warten. Ein besonders eindrückliches Zeugnis dieser Zeit ist der auffallend schöne Fliesenboden im Flur des Hauses, der Jahrzehnte vorher verlegt wurde, als das Haus der Bergbauverwaltung diente. 1941 bis 1943 gingen allerdings viele der im „Judenlager“ internierten Opfer über diesen Fußboden ihren letzten Weg in die Vernichtungslager.
Als im Herbst Pläne für den Abriss und Neubau des Gebäudes bekannt wurden, erinnerten regionale Akteure der Erinnerungspolitik an die Bedeutung dieses Ortes. In einer konzertierten Aktion wurde der Flur-Fußboden geborgen und im Arsenal des LVR-Museums Kommern eingelagert. Das Museum plant, diese authentische Holocaust-Spur aus der Region in einer zukünftigen Ausstellung zur Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu präsentieren.
Am ‚Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen‘ eröffnete Landrat Markus Ramers im Foyer der Kreisverwaltung in Euskirchen eine von der Kreisarchivarin Heike Pütz erstellte bemerkenswerte Ausstellung. Sie präsentiert die Schicksale von 20 Frauen, die in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft in die Fänge von Gestapo und SS gerieten, weil sie sich menschlich und mit Zuneigung gegenüber männlichen ausländischen Zwangsarbeitern verhalten hatten. Dieses Kapitel nationalsozialistischer Regionalgeschichte ist bislang weithin unerforscht. Insofern erschließt die empfehlenswerte Ausstellung historisches Neuland.
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