In Schleiden wurde zur Erinnerung an den US-amerikanischen Piloten Major Quince Lucien Brown jr. ein Stolperstein an der Stelle seines Todes verlegt. Die feierliche Enthüllung fand im Beisein von rund 60 Teilnehmenden im Umfeld des Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus statt und wurde bewusst in zeitlicher Nähe zum Jahrestag der Befreiung Schleidens am 7. März 1945 terminiert.
Der 26-jährige, hochdekorierte Pilot war am 6. September 1944 über dem Gebiet Vogelsang mit seiner P-47 „Thunderbolt“ von deutscher Flugabwehr getroffen worden. Nach dem Fallschirm-Absprung landete er verletzt in der Nähe von Scheuren und geriet, nachdem er sich ohne Widerstand ergeben hatte, in deutsche Kriegsgefangenschaft. Damit unterstand er dem Schutz des Völkerrechts, insbesondere der Genfer Konvention.
Beim Fußweg mit zwei Wachsoldaten zu einer ärztlichen Versorgung in Schleiden kam es jedoch zu einer Eskalation. An der Einmündung ‚Holgenbach‘ in die damalige ‚Bahnhofstraße‘ wurden der Gefangene und die beiden Begleiter von einer Zusammenrottung von Soldaten aufgehalten und alsbald durch einen zufällig vorbeikommenden NS-Funktionär attackiert und letztlich durch zwei Schüsse getötet.
Zeitgenössische Darstellungen und spätere Einordnungen bewerten die Tat eindeutig als Lynchmord und damit als schweres Kriegsverbrechen.
Die juristische Aufarbeitung erfolgte erst Jahre später.
In einem Verfahren vor dem Landgericht Aachen im Jahr 1953 wurde der Haupttäter wegen Totschlags zu einer außerordentlich geringen Haftstrafe verurteilt, während ein weiterer Beschuldigter mangels Beweisen freigesprochen wurde.
Ziel des Gedenkens ist nicht die Würdigung eines Soldaten im militärischen Kontext, sondern die Erinnerung an ein Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Der Stolperstein fungiert dabei als Mahnmal für die Bedeutung völkerrechtlicher Normen, die als grundlegender Schutzmechanismus zwischen Zivilisation und Barbarei verstanden werden.
Den mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotierten dritten Platz beim Heimat-Preis NRW der Stadt Schleiden 2025 erhielt der ehemalige Arbeitskreis Gedenken, der inzwischen im gemeinnützigen Verein erinnern. bedenken. handeln aufgegangen ist. Heike Schumacher, Martina Hilger-Mommer, Klaus Ranglack und Franz-Albert Heinen nahmen in der letzten Ratssitzung des Jahres am 18. Dezember 2025 für den Arbeitskreis die Urkunde und den Preis entgegen. Diesmal hatte es echte Konkurrenz gegeben: Aus sechs Bewerbungen wählte die Auswahlkommission die drei Preisträger aus. Den ersten Preis und 2.500 Euro erhielt der Bürgerverein Oberhausen Eifel e.V. Den 2. Platz (1.500 Euro) sprach die Jury der Initiative „Spielenachmittag Schöneseiffen/Harperscheid“ zu.
Dem ehrenamtlichen Engagement des Arbeitskreises Gedenken, das die Bürgerstiftung Schleiden finanziell unterstützte, ist es zu verdanken, dass am „Alten Rathaus“ in Schleiden ein Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus im Stadtgebiet Schleiden errichtet wurde. In der Begründung der Stadt hieß es: „Der Arbeitskreis konnte weitere finanzielle Mittel akquirieren und leistete die erforderliche heimatgeschichtliche Forschungsarbeit, die Textgestaltung am Mahnmal, die Erstellung eines Informationsheftes, die Organisation eines Künstler-Wettbewerbs für die Gestaltung und begleitete das Projekt bis zur Fertigstellung im Rahmen einer Einweihungsfeier.“ Aus dem Arbeitskreis ging sodann die Initiative zur Gründung des Vereins „erinnern. bedenken. handeln“ hervor, der mit Mitteln des Heimatpreises weitere Projekte umsetzen wird, die der Erinnerungskultur im Stadtgebiet Schleiden insbesondere unter Einbindung von Jugendlichen dienen soll: „Lokale Identität und Heimatbewusstsein werden somit im besonderen Kontext zur Geschichte gefördert.“[1]
[1] Vgl. Stadt Schleiden, Ratsvorlage WP 12/2025/019.
Zwei Jahrzehnte alt wurde im Dezember 2025 das Dokumentations- und Begegnungshaus der Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ Hinzert rund 30 Kilometer östlich von Trier. Es handelt sich um das von der Nordeifel aus nächstgelegene ehemalige nationalsozialistische Konzentrationslager.
Die Eröffnung hatte am Internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember 2005, stattgefunden. Damals wurde das architektonisch einzigartige Dokumentations- und Begegnungshaus von den damaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Luxemburg, Kurt Beck und Jean-Claude Juncker in Anwesenheit zahlreicher Überlebender des Lagers und deren Angehörigen eröffnet. Das Bauwerk, dessen Gestaltung bis heute als öffentliche Provokation in der Landschaft steht, hat seither viele Architekturpreise erhalten. Hunderttausende Besucherinnen und Besucher aus aller Welt besuchten die Anlage. Geführt wird sie unter der Regie der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (LpB).
Kurt Beck nahm auch am Freitag, 12. Dezember 2025, an der 20-Jahr-Feier der Gedenkstätte teil. Bei der Veranstaltung blickten die Redner auf die Gründungsgeschichte der Gedenkstätte zurück. Bernhard Kukatzki, Direktor der LpB, wies daraufhin, dass die Landeszentrale schon 1992 in ihrer Gedenkstättenkonzeption den notwendigen Neubau des 2005 eröffneten Dokumentations- und Begegnungshauses und des Informationssystems der „Stätten der Unmenschlichkeit“ vorsah. Seitdem hat die LpB zahlreiche Dokumentationen publiziert, die Errichtung der Schutzhütten an den ehemaligen Massengräbern durchgeführt und mit internationalen Treffen ehemaliger Deportierter und mit zahlreichen Projekten im In- und Ausland die Gedenkstättenarbeit in Hinzert betrieben. Dabei kooperierte sie regelmäßig mit den Verbänden der ehemaligen Deportierten aus Luxemburg und Frankreich und dem Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V.
In den vergangenen 30 Jahren hat Hinzert die Zusammenarbeit zwischen den Gedenkarbeitsgruppen in Europa, insbesondere aus Luxemburg und Frankreich, gestärkt und verzeichnet deutlich wachsende Besucherzahlen.
Katharina Heil, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit, betonte in ihrer Begrüßungsrede: „Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das KZ Hinzert für Jahrzehnte nahezu vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein. Erst durch die Gründung des Fördervereins im Jahr 1989 und die Eröffnung des Dokumentations- und Begegnungshauses am 10. Dezember 2005 wurde der Grundstein für eine Gedenkstätte gelegt. Heute erinnert die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert an die Opfer des Nationalsozialismus und macht deutlich, dass Erinnern auch politische Verantwortung bedeutet.“
Der Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte KZ Hinzert e.V., Dieter Burgard, stellte heraus, dass „gerade hier jungen Menschen aufgezeigt wird, was es für Konsequenzen hat, wenn Demokratie zerstört wird und Unmenschlichkeit herrscht.“ An der abschließenden Gesprächsrunde nahmen auch der damalige Ministerpräsident Kurt Beck und Albert Hansen, Amicale des Anciens de Hinzert, Luxemburg, teil.
Die Leiterin der Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ Hinzert, Dr. Sabine Arend, stellte nach der Diskussionsrunde das neue Projekt vor, das sich den ehemaligen Außenlagern des KZ widmet und präsentierte exemplarisch drei Roll-Ups, in denen erste Außenlager vorgestellt wurden. Die Referatsleiterin für Gedenkarbeit in der Landeszentrale, Kathrin Künstler, richtete den Blick in die Zukunft der Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz.
Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert bestand von 1939 bis 1945. Ursprünglich Polizeihaftlager und SS-Sonderlager für nicht konforme Westwall-Arbeiter, wurde es während des Zweiten Weltkriegs ein Konzentrationslager für Deportierte aus den besetzten Ländern. Das Lager bestand bis März 1945. Kurz vor der Ankunft amerikanischer Truppen wurde es teilweise geräumt. Die meisten Gefangenen wurden zu Fuß unter Bewachung auf einen Todesmarsch zum KZ Buchenwald geschickt. Gesichert sind mindestens 10.000 Häftlinge und 321 Todesfälle im KZ Hinzert. (fa, mit der Pressemitteilung des LzB RLP)
Zum 80. Jahrestag des Kriegsendes brachte der Heimatverein Uedelhoven in Kooperation mit der Gemeinde Blankenheim, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie lokalen Initiativen vom 1. bis zum 14. September 2025 die interaktive Wanderausstellung „Erinnern und engagieren digital“ des Anne-Frank-Zentrums Berlin ins Eifelmuseum nach Blankenheim. Begleitet wurde die Ausstellung von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm, das zur Auseinandersetzung mit Geschichte und zur aktiven Mitgestaltung der Erinnerungskultur einladen soll.
Das ‚Haus Risa‘ am Ortsrand von Mechernich-Kalenberg war von 1941 bis 1943 das sogenannte ‚Judenlager‘ des Kreises Schleiden. Die letzten noch nicht deportierten Jüdinnen und Juden des Schleidener Landes mussten damals unter dem Zwang nationalsozialistischer Akteure ihre eigenen Häuser verlassen und im ‚Haus Risa‘ unter sehr schlechten Bedingungen auf den Transport in die Vernichtungslager im Osten warten. Ein besonders eindrückliches Zeugnis dieser Zeit ist der auffallend schöne Fliesenboden im Flur des Hauses, der Jahrzehnte vorher verlegt wurde, als das Haus der Bergbauverwaltung diente. 1941 bis 1943 gingen allerdings viele der im „Judenlager“ internierten Opfer über diesen Fußboden ihren letzten Weg in die Vernichtungslager.
Als im Herbst Pläne für den Abriss und Neubau des Gebäudes bekannt wurden, erinnerten regionale Akteure der Erinnerungspolitik an die Bedeutung dieses Ortes. In einer konzertierten Aktion wurde der Flur-Fußboden geborgen und im Arsenal des LVR-Museums Kommern eingelagert. Das Museum plant, diese authentische Holocaust-Spur aus der Region in einer zukünftigen Ausstellung zur Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu präsentieren.
Am ‚Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen‘ eröffnete Landrat Markus Ramers im Foyer der Kreisverwaltung in Euskirchen eine von der Kreisarchivarin Heike Pütz erstellte bemerkenswerte Ausstellung. Sie präsentiert die Schicksale von 20 Frauen, die in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft in die Fänge von Gestapo und SS gerieten, weil sie sich menschlich und mit Zuneigung gegenüber männlichen ausländischen Zwangsarbeitern verhalten hatten. Dieses Kapitel nationalsozialistischer Regionalgeschichte ist bislang weithin unerforscht. Insofern erschließt die empfehlenswerte Ausstellung historisches Neuland.
Die verheerende Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 richtete im Raum Schleiden schwere Schäden an. Davon betroffen war auch die Stützmauer, die den jüdischen Friedhof von dem darunterliegenden bebauten Grundstück trennt. Die Wassermassen beschädigten die Mauer derart, dass Einsturzgefahr bestand. Daher musste der Friedhof vorübergehend gesperrt werden und ist seitdem (Stand: Dezember 2025) nicht zugänglich.
Der Friedhof, ebenso wie der in Gemünd, gehört dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein in Düsseldorf. Auf Anfrage berichtete die Geschäftsführerin des Landesverbands, Dr. Inna Goudz, dass die Sanierungsarbeiten seit Herbst im Gange sind. Der Fortschritt der Arbeiten ist zufriedenstellend, die Fertigstellung werde voraussichtlich im kommenden Frühjahr erfolgen.
Nach Abschluss der Sanierung übernimmt die Stadt wieder die Pflege des Friedhofs. Aufgrund der jahrelangen nicht möglichen Pflege sind umfangreiche Arbeiten notwendig, da einige Grabsteine stark zugewachsen sind. Das gilt auch für die 1992 aufgestellte Namenstafel.
erinnern.bedenken.handeln e. V.
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